Krankenkassen
DAK-Gesundheit warnt vor 12-Milliarden-Euro-Loch in der Krankenversicherung
Das könnte heftig werden: 2027 droht den gesetzlichen Krankenkassen laut DAK-Gesundheit eine Finanzlücke von mehreren Milliarden Euro. DAK-Chef Andreas Storm rät zu einem „3-Stufen-Plan“. Aber wird die die Politik rechtzeitig liefern?
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Steigende Ausgaben, sinkende Einnahmen: Erneut gibt es Warnungen vor einem Milliardenloch bei den Krankenkassen.
© Maurizio Gambarini / dpa
Berlin. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) könnte im nächsten Jahr eine Finanzlücke von bis zu zwölf Milliarden Euro aufreißen. Das zeigt eine Vorausberechnung des Berliner IGES-Instituts für die DAK-Gesundheit.
Versicherten und Arbeitgebern drohe dadurch ein erneuter Beitragssatzanstieg von 0,6 Punkten, warnte die Krankenkasse am Montag. Bis zum Jahr 2035 drohe die Abgabenlast aller Sozialversicherungszweige zusammen auf die Marke von 50 Prozent klettern. Aktuell liegt die Quote der Sozialabgaben bei 42,6 Prozent für Arbeitnehmer mit Kindern und bei 43,2 Prozent für Arbeitnehmer ohne Kinder.
„Dramatische Entwicklung“
DAK-Chef Andreas Storm sprach mit Blick auf die IGES-Zahlen von einer „dramatischen Entwicklung“. Diese müsse für alle Beteiligten ein „letzter Warnschuss“ sein, um Reformen mutig anzugehen.
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Auch der Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), Dr. Florian Reuther, zeigte sich ob der Zahlen alarmiert. Wenn Lohnzusatzkosten weiter in diesem Tempo stiegen, habe Deutschland „bald die höchsten Abgaben auf den Faktor Arbeit in der Welt“. Bei Reformen müsse der Fokus auf mehr Eigenverantwortung und Kapitaldeckung liegen, empfahl Reuther.
DAK-Chef Storm erklärte, für eine kurzfristige Stabilisierung der GKV-Finanzen brauche es die Rückkehr zu einer einnahmenorientierten Ausgabenpolitik: Die Ausgaben der Kassen dürften nur noch im Einklang mit deren Einnahmen steigen.
Für 2027 entstehe ein Kompensationsbedarf von rund 6,8 Milliarden Euro, rechnete Storm vor. Die Konsolidierungsbeiträge und die Instrumente für alle Leistungsbereiche solle die „FinanzKommission Gesundheit“ festlegen. Ergebnisse sind für Ende März angekündigt.
Höhere Steuern auf Tabak und Alkohol
Die DAK schlägt zudem höhere Verbrauchssteuern auf Tabak und Alkohol vor. In weiteren Schritten solle zudem ab 2028 ein kostendeckender Ersatz der Gesundheitsausgaben für Bürgergeldbeziehende durch den Bund erfolgen. Entsprechende Kosten bei AOK, DAK & Co. werden auf bis zu zehn Milliarden Euro pro Jahr taxiert.
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Langfristig und in einer dritten Stufe brauche es „umfassende“ Struktur- und Versorgungsreformen, so Storm. Zu diesen zählten die Notfallreform, die Krankenhausreform und das geplante Primärversorgungssystem.
Zur Frage der Ausgestaltung eines Primärversorgungssystems will sich Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) am Dienstag (27. Januar) mit Vertreterinnen und Vertretern des Gesundheitswesens in einem „Auftaktgespräch“ austauschen.
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Die Chefin beim AOK-Bundesverband, Dr. Carola Reimann, sagte der „Wirtschaftswoche“ (Online-Ausgabe vom Sonntag), in einem derartigen System sei für Patienten dann eine bestimmte Praxis die „erste verbindliche Anlaufstelle“.
In dieser Arztpraxis würden die Patienten idealerweise abschließend behandelt. Falls ein Facharzt erforderlich sei, werde eine Überweisung veranlasst, die auch den schnelleren Zugang sichere, so Reimann. (hom)





