Positionspapier

DEGAM wirbt für ein Primärarztsystem

Die DEGAM sieht alle Argumente für ein Primärarztsystem auf ihrer Seite. Viele EU-Staaten sähen das genauso.

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BERLIN. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) spricht sich in einem am Mittwoch veröffentlichten Positionspapier für ein Primärarztsystem aus. Das bisherige System, das Patienten den direkten und parallelen Besuch von Spezialisten erlaubt, führe zu Wartezeiten und erhöhe die Gefahr von Informationsverlusten, heißt es in dem Papier.

Die Primärversorgung zeichne sich dabei durch ein "hausarztgeleitetes Team von Fachkräften" aus und sollte von diesen Rahmenbedingungen flankiert werden:

  • Einschreibung in ein Primärarztsystem – wie in der hausarztzentrierten Versorgung üblich.
  • Zuzahlung bei direkter Inanspruchnahme von Spezialisten und Klinikambulanzen außerhalb des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.
  • Erhöhung des Anteils der Allgemeinmedizin in der Weiterbildung auf 30 Prozent – bisher sind es rund zehn Prozent.
  • Einheitliche Medikationspläne, Notfalldatensätze und digitale Patientenakten. Für den Mehraufwand, der mit der Umsetzung verbunden ist, müssten Hausärzte an anderer Stelle entlastet werden.
  • Bessere Vergütung von Hausärzten: Sie sollte angesichts gleicher Weiterbildungsdauer und höherer Arbeitszeit "mindestens" dem Niveau von Spezialisten entsprechen.

Die DEGAM argumentiert, ein Primärarztsystem sei bereits in 15 von 28 europäischen Ländern etabliert worden. In zwölf weiteren Staaten werden nach Angaben der OECD Zuzahlungen fällig, wenn Patienten direkt den Spezialisten aufsuchen wollen. Durch ein so koordiniertes Vorgehen könnten "viele der strukturellen Probleme des deutschen Gesundheitssystems" gelindert werden.

Die Fachgesellschaft erinnert daran, dass nur bei zehn bis 20 Prozent der Patienten die Überweisung oder Mitbehandlung durch einen Spezialisten erforderlich sei. Hingegen könne der ganz überwiegende Teil der Anliegen von Patienten durch Hausärzte "zeitnah, abschließend, in guter Qualität und mit hoher Kosteneffektivität" behandelt werden. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD enthält lediglich den Passus, die hausärztliche Versorgung solle "besser vergütet" werden. (fst)

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