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Interview

DEGAM zum Medizinstudium: „Wir müssen den Reformprozess frei von Besitzstandswahrung angehen“

Der Medizinische Fakultätentag will bei der Fortentwicklung des Medizinstudiums eigene Wege gehen. Im Interview erläutert Ralf Jendyk, stellvertretender Sprecher der Sektion Studium und Hochschule bei der DEGAM, warum er den Schritt kritisch sieht.

Florian StaeckEin Interview von Florian Staeck Veröffentlicht:
Künstliche Skelette stehen am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen in einem Saal.

Künstliche Skelette am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen: Die DEGAM fordert, den Reformprozess des Medizinstudiums an den Fakultäten anzugehen – „möglichst frei von Besitzstandswahrung“.

© Sebastian Gollnow / dpa

Herr Professor Jendyk, wie bewertet die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin das vom Medizinischen Fakultätentag und der AWMF vorgelegte Papier zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums?

Grundsätzlich ist eine Weiterentwicklung richtig und notwendig. Diese muss aber entsprechend umfassend aufgesetzt werden und die Kernpunkte des Masterplans 2020 umsetzen. Mit dieser Forderung steht die DEGAM übrigens nicht allein, auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) und die Bundesärztekammer fordern eine Umsetzung.

Es ist aus Sicht der DEGAM nicht zielführend, einzelne, kosmetische Eingriffe in die heute bereits nicht mehr zeitgemäßen Curricula der meisten medizinischen Fakultäten vorzunehmen. Im Gegenteil, damit wird eine Vorbereitung des medizinischen Nachwuchses auf die zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitssystem nicht möglich sein.

Professor Dr. Ralf Jendyk, stellvertretender Sprecher der DEGAM-Sektion Studium und Hochschule

Professor Dr. Ralf Jendyk, stellvertretender Sprecher der DEGAM-Sektion Studium und Hochschule

© DEGAM/Antje Boysen

Wo sieht die DEGAM in dem MFT-Papier Elemente des Masterplans verwirklicht, welche wichtigen Punkte werden nicht berücksichtigt?

Einerseits können einige der genannten Vorschläge bzw. Aussagen als ein „Weiter so“ interpretiert werden. Die Aussage, dass bereits bis zu 75 Prozent der Famulaturen im ambulanten Bereich absolvierbar seien, wird hier nur exemplarisch genannt. Diese Anteile des Medizinstudiums werden nur bedingt von den Universitäten gestaltet und sind deshalb auch nur eingeschränkt mit zu erfüllenden Lernzielen zu versehen.

Andererseits sind die parallele (Weiter-)Entwicklung des Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Medizin (NKLM) und der Gegenstandskataloge unter Betonung der zu vermittelnden Kompetenzen sicherlich wertvolle Schritte, um für die Reform der Approbationsordnung ein geeignetes Fundament bereitzustellen.

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Inwiefern sehen Sie es als einen Fehler des MFT an, nicht mehr auf eine Einigung von Bund und Ländern beim Masterplan zu warten?

Zur Erinnerung: Der Masterplan wurde 2017 von Bund und Ländern gemeinsam verabschiedet. Seitdem wird um die Umsetzung der beschlossenen Inhalte in eine novellierte Approbationsordnung gerungen. Leider hat es – übrigens von Beginn an – den Anschein, dass einige der beteiligten Akteure gerne verschiedene der vereinbarten Ziele, insbesondere die stärkere Ambulantisierung mit besonderer Betonung des allgemeinmedizinischen Bereichs, revidiert sehen würden.

Was nicht sinnvoll wäre?

Diese Haltung hat damals schon keinen Sinn ergeben und ist heute angesichts der aktuellen Versorgungsrealitäten, der anstehenden Krankenhausreformen und der geplanten Einführung eines hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystems noch weniger nachvollziehbar. Natürlich können und dürfen nicht einfach immer mehr Inhalte in das Studium hineingeschleust werden. Es gilt, an anderer Stelle zu entschlacken, um moderne Lehrformate sowie Freiräume für selbstgestaltetes Lernen zu ermöglichen. Die DEGAM fordert, den dringend erforderlichen Reform- und Umstrukturierungsprozess an den Fakultäten anzugehen – möglichst frei von Besitzstandswahrung. Dadurch werden unter anderem auch Ressourcen frei, die in eine Kostenabschätzung einbezogen werden müssen.

  • Professor Ralf Jendyk ist seit November 2024 Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock
  • Von 2012 bis 2024 stellvertretender Leiter des Centrums für Allgemeinmedizin (CAM) an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster
  • Von 2004 bis 2009 Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin

Also sollte am Masterplan aus Sicht der DEGAM zwingend festgehalten werden?

Die mit der Novelle der Approbationsordnung verbundenen Ziele sind sinnvoll und wurden aus gutem Grund verabschiedet. Es darf nicht dazu kommen, dass Partikularinteressen am Ende gewinnen, indem die Reform der Approbationsordnung nicht weiterverfolgt wird.

Die Vorbereitungen und Anhörungen durch das Bundesgesundheitsministeriums zu diesem Thema sind in den letzten Jahren erschöpfend geführt und in einem größtmöglichen Konsens abgeschlossen worden. Was noch fehlt, ist die politische Umsetzung im Sinne einer entsprechenden Änderung der Approbationsordnung. Wir fordern die politisch verantwortlichen Akteure auf, diese Umsetzung nun zeitnah und zügig auf den Weg zu bringen.

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Was müsste aus Sicht der DEGAM geschehen, um bei den Verhandlungen den Gordischen Knoten zu durchschlagen?

Wir ermuntern die politischen Akteure, die – nahezu final – abgestimmte Änderung der Approbationsordnung zeitnah umzusetzen. Die DEGAM steht hier, wie auch in der Vergangenheit, jederzeit für eine weitere, konstruktive Zusammenarbeit gerne zur Verfügung.

Sehen Sie eine Perspektive dafür, dass DEGAM und MFT wieder zu einer gemeinsamen Problemwahrnehmung und Verhandlungsstrategie kommen?

Es gilt, die Inhalte des Masterplans in Form einer Novellierung der Approbationsordnung für unsere Studierenden sowie für unsere Patientinnen und Patienten umzusetzen. Das sollte die oberste Maxime für alle Akteure sein.

Und falls dies nicht gelingt: Wie sähe es mit einer „abgespeckten“ Version des Masterplans aus?

Nochmal: Die Bearbeitung einer Novelle der Approbationsordnung ist im Grunde fertig. Nun fehlt nur noch die Umsetzung. Aufgrund der Zeitschiene werden Anpassungen nötig werden – allerdings ändert das nichts am inhaltlichen Kern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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