Berufspolitik

"Das Gesundheitsministerium ist die falsche Adresse"

Am 2. Dezember haben in Mainz Ärzte vor dem Gesundheitsministerium gegen die Honorarreform demonstriert. Die stellvertretende KV-Vorsitzende Dr. Sigrid Ultes-Kaiser hält diesen Ort im Gegensatz zu ihren KV-Vorstandskollegen für falsch. In der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum.

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Ärzte Zeitung: Frau Dr. Ultes-Kaiser, warum haben Sie sich nicht an der Demonstration beteiligt?

Ultes-Kaiser: Die Änderungen, die wir im Honorarbereich ganz dringend brauchen, können fast ausschließlich nur auf Bundesebene beschlossen werden und die sind zum Teil für das zweite Quartal 2010 auch bereits in die Wege geleitet. Für diese Änderungen setze ich mich in Berlin mit aller Kraft ein. Das Ministerium in Mainz ist nicht unser Ansprechpartner in Fragen der Honorarverteilung und daher auch der falsche Adressat für eine Demonstration.

Ärzte Zeitung: In der Vertreterversammlung sind Sie für offene Worte bekannt. Das kommt nicht bei jedem gut an. Wie gehen Sie damit um?

Ultes-Kaiser: Zu meiner Freude stelle ich oft fest, dass es durchaus viele Kollegen gibt, die genau das an mir schätzen. Ich sage das, wovon ich überzeugt bin und man kann sich auf mich verlassen. Dazu gehört aber auch, dass ich manche unangenehme Wahrheiten ausspreche.

Ärzte Zeitung: Sie sagen, Sie setzen sich für Praxen ein, die unverschuldet durch die Honorarreform in Not geraten sind. Wie kann die Hilfe der KV aussehen?

Ultes-Kaiser: Zum einen haben wir den Solidaritätsfonds gegründet (wir berichteten). Dieser greift aber frühestens ab dem zweiten Halbjahr 2010. Es gibt aber Praxen, für die es dann schon zu spät sein könnte. Da sind wir intensiv dabei, über Härtefallregelungen und Widerspruchsmöglichkeiten nach Optionen zu suchen, die den Kollegen kurzfristig helfen. Aber die betroffenen Kollegen sind kaum die, die lauthals ihre drohende Insolvenz proklamieren.

Ärzte Zeitung: Ihre Meinung wird nicht allen gefallen und im nächsten Jahr wird der KV-Vorstand neu

gewählt. Machen Sie sich keine Sorgen um Ihre Wiederwahl?

Ultes-Kaiser: Ich habe die Hoffnung und das Vertrauen, dass die Sacharbeit und mein Einsatz geschätzt wird. Und ich baue darauf, dass nicht nur populistische Maßnahmen die Wahlentscheidungen der Kollegen bestimmen werden.

Das Gespräch führte Christiane Badenberg

Dr. Sigrid Ultes-Kaiser

Dr. Sigrid Ultes-Kaiser ist seit Mai 2007 stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Berufspolitisch hat sich die Anästhesistin mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie auch vorher schon stark engagiert: als Vorsitzende von Medi Südwest und Vize von Medi Deutschland. Seit Ende 2004 ist sie zudem KBV-Delegierte.

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