Berufspolitik

"Das ist eine tickende Zeitbombe für die medizinische Versorgung"

Nur noch ein Punktwert in Höhe von 3,5 Cent für Hausbesuche in Bayern? Dr. Albrecht Stein, Allgemeinarzt und NAV-Virchowbund- Bezirkschef, warnt.

Veröffentlicht: 19.01.2009, 05:00 Uhr

MÜNCHEN (sto). Die Abwertung der Hausbesuche in Bayern von früher fünf auf jetzt 3,5 Cent ist nach Ansicht von Dr. Albrecht Stein, Allgemeinarzt in München, eine "tickende Zeitbombe für die medizinische Versorgung insgesamt".

Betroffen von der "katastrophalen Honorarentwicklung" im Bereitschaftsdienst seien einerseits vor allem ältere Menschen und zum anderen alle Kollegen in Bayern, erklärte Stein, der auch Bezirksvorsitzender des NAV-Virchowbundes München/Oberbayern und Mitglied des Landesvorstandes ist. Schon jetzt zeige sich im übrigen, dass es immer schwieriger werde, Kollegen und Kolleginnen für den Bereitschaftsdienst zu gewinnen.

"Auch in der täglichen Praxis, in der die Hausbesuche jetzt im Regelleistungsvolumen verschwunden sind und somit zu einer Abrechnungsnullnummer werden, wird man von keinem Arzt mehr verlangen können, alte und kranke Patienten regelmäßig zu Hause ambulant zu betreuen", sagte Stein.

Motivation für die Teilnahme am Bereitschaftsdienst sinkt.

Die geplanten Projekte der ambulanten Palliativmedizin außerhalb stationärer Einrichtungen seien angesichts dieser Entwicklung nun von vorneherein zum Scheitern verurteilt, erklärte der Allgemeinmediziner.

Die Absicht, starke fachübergreifende Netze für unheilbar Kranke aufzubauen, seien nur noch theoretische Optionsmodelle, da ohne den regelmäßigen Hausbesuch des Haus- oder Facharztes das alles nicht funktionieren könne.

Die Folge seien vermehrte Notarzt- oder Rettungsdiensteinsätze sowie eine Vielzahl von nicht zwingend nötigen Krankenhausaufhalten, erklärte Stein.

Auch die ambulante Versorgung in Alten- und Pflegeheimen werde sich dramatisch verschlechtern, so die Befürchtung Steins: "Welcher Hausarzt wird motiviert sein, für Gotteslohn regelmäßige Besuche und Visiten in den Heimen durchzuführen, damit auch die therapeutisch so wichtige menschliche Arzt-Patienten-Bindung aufrecht erhalten werden kann?"

Ungeachtet dessen gebe es schon jetzt zunehemende wachsende Schwierigkeiten, spezialisierte Fachärzte für eine Mitarbeit in den Alten- und Pflegeheimen zu gewinnen, teilte Stein mit.

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