Studie zur neuen Versorgungsform

Die ASV wächst, aber sie braucht eine Reformkur

Die ASV ist Realität und entwickelt sich. Aber Bürokratie und mangelhafte IT-Infrastruktur sind große Hemmnisse.

Helmut LaschetVon Helmut Laschet Veröffentlicht:
Die ASV ist damit zu einem relevanten Faktor bei der Versorgung von Patienten mit schweren und komplexen Krankheiten geworden.

Die ASV ist damit zu einem relevanten Faktor bei der Versorgung von Patienten mit schweren und komplexen Krankheiten geworden.

© Squaredpixels / Getty Images / iStock

BERLIN. Insgesamt 5800 Ärzte in Praxis und Klinik nehmen – Stand Mai 2018 – an der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) nach Paragraf 116 b SGB V teil. Die ASV ist damit zu einem relevanten Faktor bei der Versorgung von Patienten mit schweren und komplexen Krankheiten geworden. Eine Begleitstudie der bbw Hochschule und des Bundesverbandes ASV zeigt die Entwicklung, die Stärken und Probleme der neuen Versorgungsform. Sie wurde am Mittwoch in Berlin präsentiert.

Ziel des Gesetzgebers war es, mit dem Versorgungsstrukturgesetz 2012 ambulante und stationäre Versorgung für komplexe Krankheiten zu verknüpfen, die Sektortrennung aufzuheben und eine Grundlage für interdisziplinäre Kooperation zu schaffen. Charakteristisch für die ASV: keine Bedarfsplanung, sondern Qualifikationsnachweis als Erfordernis für die Teilnahme, keine Budgets, Offenheit für innovative Methoden, keine Wirtschaftlichkeitsprüfung (Richtgrößen).

Die ASV existiert derzeit für Gastrointestinale Tumoren (GIT), Tuberkulose, Gynäkologische Tumoren, pulmonale Hypertone, Marfan-Syndrom und Mukoviszidose. Insgesamt arbeiten derzeit 150 Teams mit 5800 Ärzten. 102 Teams haben sich für die GIT, 33 Teams für die Tuberkulose gebildet. Ein sprunghafter Anstieg der GIT-Teams ist seit Mitte 2017 zu beobachten. Grund ist das Auslaufen der Zulassung von Krankenhäusern nach dem alten Paragrafen 116b und der Switch zur neuen ASV. Das hat dazu geführt, dass die Mehrheit der Klinikärzte in Teamleitungen und Teams noch dominanter wurde.

Für GIT sind zwischen 17 und 19 verschiedene Facharztgruppen vorgeschrieben, um ein Team bilden zu können, bei TBC sind es mit elf bis 15 Disziplinen etwas weniger. Die durchschnittliche Größe eines GIT-teams ist auf inzwischen 47 angestiegen, die TBC-Teams haben im Schnitt konstant 18 Mitglieder.

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Aufgrund der hohen Anforderungen an Interdisziplinarität, Organisation und Erreichbarkeit für Patienten war zu erwarten, dass die regionale Verteilung der ASV über das Bundesgebiet nicht gleichmäßig sein kann. In der Tat haben sich ASV-Teams bevorzugt im Rhein-Ruhr-, Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Gebiet sowie in den Metropolen Berlin, Hamburg und München gebildet. 65 Prozent der ASV-Teams arbeiten in Großstädten, nur neun Prozent entfallen auf ländliche Regionen.

Diese Entwicklung wird politisch aufmerksam beachtet. So hat sich der CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß für den Ausbau der ASV auf dem Land ausgesprochen und dafür mehr Flexibilität gefordert. Eine hinderliche Restriktion ist der vorgegebene 30-Minuten-Fahrweg der ASV-Teammitglieder. In der Praxis wird dies allerdings, wie etwa in Bayern, schon jetzt pragmatisch gehandhabt.

Schwächen – vor allem administrativer Natur – offenbaren die Ergebnisse der ASV-Teamleiterbefragung, die der ASV-Bundesverband 2016 durchgeführt hat. An der Umfrage nahmen 20 Teams teil, in denen insgesamt knapp 600 Ärzte arbeiten.

» Schwachpunkt Anzeigeverfahren beim Erweiterten Landesausschuss (ELA): Ein Viertel der Teamleiter äußerte sich über die Verfahrensweise und administrativen Rahmenbedingungen unzufrieden, ein Fünftel sogar sehr unzufrieden. Lediglich zehn Prozent sind sehr zufrieden. Kritisiert wird vor allem der hohe Arbeits- und Zeitaufwand für das Anzeigeverfahren und das Volumen der einzureichenden Unterlagen. Durchweg arbeiten die ELAs mit Papier. Moderne IT ist unbekannt. Extrem heterogen ist die Auslegung der Rechtsvorschriften des Paragrafen 116b und der Richtlinien des Bundesausschusses.

» Abrechnung der Leistungen: Gut die Hälfte der Teams nutzt zwei oder drei Abrechnungsverfahren. 70 Prozent der Teamleiter bewerten die Abrechnung der ASV-Leistungen als aufwändig. 42 Prozent klagen über eine verzögerte Zahlung durch die Kassen.

» IT-Nutzung: 35 Prozent der Teams nutzen eine gemeinsame IT-Infrastruktur, mit 26 Prozent ist der Anteil vertragsärztlich geleiteter Teams deutlich geringer.

Unter Versorgungsgesichtspunkten kann die ASV allerdings punkten: Als eindeutiger Verbesserung werden von den teilnehmenden Ärzten der Zugang der Patienten zu neuen Leistungen, die intensivere Betreuung, kurzfristigere Termine und die hohe Interdisziplinarität gewertet.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Reformkur für die ASV

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