E-Health

Digitalisierung ist im Versorgungsalltag noch nicht angekommen

Patienten könnten Diagnostik und Beratung bald zu Hause haben. Vorausgesetzt, die Digitalisierung nimmt Fahrt auf.

Veröffentlicht: 09.11.2017, 15:00 Uhr

MÜNCHEN. Scanner, Software und Smartphone – so sieht Professor Bertram Häussler, Vorsitzender der Geschäftsführung des Forschungsinstituts IGES, die Diagnostik von morgen. Er betonte beim Europäischen Gesundheitskongress, wie viel Potenzial das Integrieren und Auswerten von Gesundheitsdaten habe. Heutzutage könne das über Algorithmen erfolgen.

Bisher würden diese Möglichkeiten aber gerade in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern, kaum genutzt. Die bis heute nicht umgesetzte elektronische Gesundheitskarte sei ein Beispiel dafür.

Nicht zuletzt zeige das Beispiel von Google Street View, welche Hürden sich bei der Digitalisierung in Deutschland stellten. Es sei weltweit das einzige Land, in dem Google dieses Projekt gestoppt habe, seit 2010 keine neuen Bilder mehr mache, und viele schon erfasste Häuser auf Wunsch ausgeblendet habe.

Digitalisierung werde zu oft als Risiko gesehen, zu selten als Chance, so Häussler. Dabei könnten moderne Mittel vieles effizienter machen. Das gelte gerade für das Gesundheitssystem. Grundsätzlich könnten Diagnostik und Vorsorge sogar bald Teil des Alltags werden.

Vorstellbar wäre, dass Patienten Scanner und Software zu Hause hätten, die sie mit dem Smartphone verknüpfen könnten. Durch Kombination neuer Daten mit der medizinischen Vorgeschichte sei dann eine Diagnostik und Beratung möglich. Auf unklare Symptome könne direkt reagiert werden. Zeige die erste Symptomauswertung, dass ein Arzt zu Rate gezogen werden müsse, könnten immer noch viele Termine telemedizinisch erfolgen. Ein abgestuftes Verfahren führe den Patienten erst dann persönlich zum Arzt, wenn das wirklich notwendig sei.

Eine zu diesem Zweck erstellte künstliche Intelligenz habe jederzeit alle Informationen über die Krankengeschichte. Die könnten bei Bedarf dann auch alle behandelnden Ärzte nutzen. Der Patient bestimme dabei selbst über die Verwendung seiner Daten, könne Informationsebenen zuschalten oder abstellen. Nicht zuletzt habe eine künstliche Intelligenz unbegrenzt Zeit. "Das trägt zu einer hohen Personalisierung der Medizin bei", so Häussler.

Im deutschen Gesundheitssystem seien Veränderungen in Richtung einer Digitalisierung jedoch schwierig. Häussler warf daher die Frage auf, ob die digitale Infrastruktur statt dessen von einer Stelle außerhalb des Gesundheitssystems eingerichtet werden solle, etwa von der Bundesnetzagentur. (cmb)

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