Mitt Romney

Ein Kandidat, viele Fettnäppchen

Er macht fatale strategische Fehler: US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist angeschlagen. Seine jüngsten gesundheitspolitischen Äußerungen bescherten ihm ein PR-Desaster.

Von Claudia Pieper Veröffentlicht:
Kämpft unermüdlich um Wählerstimmen: Mitt Romney.

Kämpft unermüdlich um Wählerstimmen: Mitt Romney.

© imago/UPI Photo

WASHINGTON. Mitt Romney will US-Präsident werden. Derzeit sieht es allerdings nicht gut für seine Ambitionen aus. Statt bestärkt und voller Selbstvertrauen aus dem Parteitag der Republikaner hervorzugehen, ist Obamas Herausforderer sogleich in mehrere öffentliche Fettnäpfe getreten.

Das hat seiner Kampagne Schaden zugefügt, wie die neuesten Wählerumfragen zeigen. Zum Beispiel ging der Versuch, die aktuelle Krise im Mittleren Osten zu einem direkten Angriff gegen Präsident Obamas Auslandspolitik zu nutzen, nach hinten los.

Wenn Amerika als Nation unter Beschuss ist, sehen die Wähler lieber ein politisches Zusammenkommen als polemisches Positionieren.

Romneys unglückliche Äußerungen über Obamacare

Am meisten durfte Romney aber der jüngste Faux-Pas in seinen gesundheitspolitischen Äußerungen gekostet haben. Nachdem er seit Monaten mit dem griffigen Slogan angetreten war, Obamas Gesundheitsreform rückgängig zu machen und zu ersetzen ("Repeal and Replace"), stellte er diese klare Aussage in der Talkshow "Meet the Press" in Frage.

Dort sagte er: "Natürlich gibt es eine Reihe von Dingen, die ich an der Gesundheitsreform gut finde (und) die ich implementieren werde."

Als Beispiel nannte Romney die populäre Reformmaßnahme, die dafür sorgen wird, dass Menschen mit Vorerkrankungen Zugang zu Krankenversicherungen haben.

Er erwähnte sogar, dass er genau solch eine Maßnahme als Gouverneur in Massachusetts eingeführt habe. Damit begab sich Romney auf gefährliches Terrain.

Bisher hat er nämlich aus gutem Grund vermieden, viel über seine Gesundheitsreform in Massachusetts zu reden, die Obamas Reform allzu ähnlich sieht.

Obwohl Romney nach wie vor darauf bestand, "Obamacare rückgängig zu machen und mit meinem eigenen Plan zu ersetzen", verursachten seine übrigen Äußerungen einen Aufruhr in der Presse.

Die Schlagzeilen konzentrierten sich darauf, dass Romney manche Teile in Obamas Reform doch beibehalten will - ein scheinbar klarer Widerspruch zu seiner kompromisslosen "Replace and Repeal"-Aussage.

Hohn und Unverständnis

Das Ergebnis war ein Public Relations-Desaster. Innerhalb von Stunden ruderte Team Romney zurück und bestand darauf, dass sich am "Replace and Repeal"-Versprechen nichts geändert habe. Der PR-Schaden war jedoch nicht rückgängig zu machen.

Akute "Health Care Flip-Flopitis" diagnostizierte einige Tage später ein politischer Cartoon bei Romney und zeigte ihn in entsprechend unbequemer Pose auf einer Pritsche.

Der behandelnde Arzt im Cartoon macht dem Patienten Romney mit den Worten Mut: "Keine Bange - unter Obamacare sind Sie versichert."

Noch mehr Hohn und Unverständnis erntete Romney diese Woche, als bekannt wurde, was er vor einigen Monaten auf einem Fundraiser gesagt hatte: 47 Prozent der Landleute würden sowieso Obama wählen, meinte Romney da.

Das seien die, die keine Einkommensteuer zahlten und glaubten sie hätten Anspruch auf von der Regierung gesponsorte Gesundheitsversorgung, Essen, Wohnungen und mehr.

Schon vor den letzten Enthüllungen lag Romney in Umfragen klar hinter Obama. Einige Wochen bleiben ihm noch, das Ruder herumzureißen. Viel mehr öffentliche Patzer darf er sich dabei nicht leisten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Ein Hauch von Selbstgerechtigkeit

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