Einladung per Brief ist kein Mittel gegen Missbrauch

BREMEN (cben). Versorgung verbessert, Effekt zweifelhaft: Der Bremer Kinderarzt Dr. Stefan Trapp lobt das Einladungswesen zu den Vorsorgeuntersuchungen von Bremer Kindern.

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"Die Versorgungsqualität hat sich deutlich verbessert", sagte Trapp der "Ärzte Zeitung". "Aber gegen den Missbrauch von Kindern ist das Einladungswesen ein stumpfes Schwert."

Das Bremer Gesundheitsamt verschickt seit 2007 jährlich verbindliche Einladungen zu den Früherkennungsuntersuchungen.

Nach den jüngsten Zahlen sei danach die Teilnahme an den Untersuchungen von durchschnittlich 95 "auf fast 100 Prozent" gestiegen, so Trapp.

Geringere Teilnahmequoten bei Migranten?

Jährlich mussten 8424 Mal Eltern erinnert werden. In rund 4500 Fällen war eine Klärung noch ausstehender Untersuchungen nötig, heißt es in einem Bericht des Bremer Gesundheitsamtes.

In einigen Stadtteilen, in denen viele Migranten wohnen, habe die Teilnahmequote "vor vier, fünf Jahren zum Teil bei unter 70 Prozent gelegen", so Trapp, "das hat sich heute gründlich geändert. Die Qualität der Versorgung hat sich damit deutlich erhöht."

Allerdings hat das Einladungswesen offenbar wenig zur Entdeckung von Gewalt an Kindern beigetragen, meinte Trapp.

"Das Krankheitsspektrum bei den Untersuchungen hat sich kaum verändert", sagt Trapp, "beim Aufdecken von Missbrauch und Gewalt können die medizinischen Untersuchungen nur ein kleiner Baustein sein."

Kinderschutzkonferenzen

Das bestätigte Karla Götz, Sprecherin der Bremer Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD): "Über entdeckten Missbrauch haben wir keine belastbaren Zahlen."

Fortschritte hätten die bisher fünf Bremer Kinderschutzkonferenzen gebracht, auf denen sich unter anderem Ärzte und Familienrichter ausgetauscht haben, erklärt Trapp: "Dabei ist deutlich geworden, dass das Kindeswohl immer über den Datenschutz geht!"

Ärzte sollten keine Scheu haben, Anzeichen von Gewalt den Jugendämtern zu melden.Bremen hat die verpflichtenden Früherkennungsuntersuchungen nach dem Tod des Kleinkinds Kevin im Jahr 2006 eingeführt.

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