Einsparungen trotz höherer Therapiekosten

Ein Integrationsvertrag zu Rückenschmerz zeigt: Auch wenn eine Therapie kurzfristig mehr Geld kostet, kann sie auf Dauer helfen, Kosten zu senken.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:

MÜNCHEN. Die integrierte Versorgung von Patienten mit Rückenschmerzen ist trotz höherer Ausgaben für die Therapie insgesamt gesehen kostensparend. Das zeigen die Erfahrungen der Techniker Krankenkasse, die vor drei Jahren mit der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) einen IV-Vertrag abgeschlossen hat. An dem Projekt sind inzwischen bundesweit 30 Zentren für Rückenschmerzpatienten beteiligt. Ziel ist die Chronifizierung der Rückenschmerzen zu verhindern.

Für das Projekt werden gezielt Versicherte angesprochen, die sich bereits seit längerer Zeit wegen ihrer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung befinden, mindestens vier Wochen arbeitsunfähig und nicht schmerzfrei sind. Bei dem vier, maximal achtwöchigen kompakten Intensiv-Programm arbeiten Haus- und Fachärzte, Schmerz-, Psycho- und Physiotherapeuten aus dem ambulanten und dem stationären Bereich zusammen und entscheiden allein unter fachlichen Gesichtspunkten, welche Maßnahmen, Medikamente und Strategien jeweils für einen Patienten erforderlich sind.

Seit 2006 wurden auf diese Weise mehr als 2000 Patienten behandelt. Nach einer maximal achtwöchigen Behandlung waren 87 Prozent wieder arbeitsfähig. Ein halbes Jahr nach der Behandlung lag dieser Prozentsatz immer noch bei 80 Prozent. In der normalen vertragsärztlichen Versorgung kehren demgegenüber nur 35 Prozent der Rückenschmerzpatienten nach einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Monaten innerhalb von zwei Jahren an ihren Arbeitsplatz zurück. Der Integrationsvertrag finanziert sich im Wesentlichen durch weniger Krankenhausaufenthalte und vor allem durch Einsparungen beim Krankengeld: Im Durchschnitt wurden die Arbeitsunfähigkeitstage pro Patient um 28 Tage verringert.

Mehr zum Thema

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag"-Podcast

Wie sagt man seinem Kind, dass man Krebs hat, Dr. Wagner?

Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt

Mädchen geht chemischen Experimenten in einem Klassenzimmer nach, die Haare stehen ihr zu Berge.

© Andrey Kiselev / stock.adobe.com

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird