Berufspolitik

"Entscheiden Sie erst, wenn Sie sich sicher fühlen!"

STUTTGART. Ab 1. Juli können Versicherte der AOK Baden-Württemberg, die mit einer schwerwiegenden Diagnose in den Bereichen Onkologie oder Orthopädie vor einem Klinikaufenthalt stehen, den neuen Service "Ärztliche Zweitmeinung" in Anspruch nehmen.

Von Volker Rothfuss Veröffentlicht: 22.06.2009, 15:12 Uhr

Das Programm hat die AOK am 22. Juni in Stuttgart präsentiert. In den Fokus rücken dabei Ärzte im Behandlungsmanagement der AOK Baden-Württemberg. Sie sollen diejenigen Patienten herausfiltern, bei denen eine ärztliche Zweitmeinung notwendig erscheint. Die Begutachtung erfolgt aus einem Pool von 16 klinischen Spitzen-Medizinern.

Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner betonte bei der Vorstellung des Konzepts, dass die niedergelassene Ärzteschaft von der AOK in das Programm eingebunden ist. Mit dem vorgestellten Einstieg in das Thema werde allerdings "nur die Spitze" des Eisbergs bedient. Über eine Ausweitung des Angebots müsse deshalb schon bald nachgedacht werden. Ziel, so Baumgärtner, sei eine Aufnahme dieses Angebots in die Gespräche über die Haus- und Facharztverträge.

Den Betroffenen wird ein exklusiver Zugang zu einer diagnostischen Beurteilung durch einen Spitzenmediziner innerhalb von acht Tagen versprochen. Dazu wirbt die AOK mit einem landesweit verteilten Faltblatt. Die Botschaft an die Versicherten: "Entscheiden Sie erst, wenn Sie sich sicher fühlen!"

Das Programm wird nach Angaben der Kasse aus dem laufenden Etat der AOK finanziert. Dabei soll die Begrenzung auf schwerwiegende Diagnosen die Fallzahl gering halten, denn das Ziel sei "ein persönliches Gespräch" des Patienten mit einem Spitzenmediziner, der den Erstbefund qualifiziert begutachtet.

Schon bisher nutzen Ärzte die Möglichkeit, bei lebensverändernden Therapie-Entscheidungen für ihre Patienten die Meinung von Kollegen in den Fachabteilungen der Kliniken einzuholen. Das neue Programm soll diesen Vorgang "strukturieren", sagte der Vorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Rolf Hoberg, gestern bei der Vorstellung des Konzepts in Stuttgart.

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