Pflegeoffensive Brandenburg

Förderung für Altern im Quartier

Mit einer landesweiten Pflegeoffensive soll ein Präventionskonzept zu verzögerter Pflegebedürftigkeit in Brandenburg realisiert werden. Das Land stellt bis Ende 2016 bis zu 655.000 Euro für das Modellprojekt zur Verfügung.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:
In gewohnter Umgebung gepflegt zu werden, wünschen sich viele ältere Menschen.

In gewohnter Umgebung gepflegt zu werden, wünschen sich viele ältere Menschen.

© Halfpoint / fotolia.com

POTSDAM. Die Brandenburger Gesundheits- und Sozialministerin Diana Golze (Linke) hat den Startschuss zu einer landesweiten Pflegeoffensive gegeben.

Den Auftakt macht ein Modellprojekt, das mit sogenannten "Fachstellen Altern und Pflege im Quartier" vor allem auf die Prävention und Verzögerung von Pflegebedürftigkeit setzt.

"Wir gestalten die Pflege der Zukunft, und das ist eine Pflege im Quartier", so Gesundheitsministerin Golze zum Auftakt der Pflegeoffensive. Erstes Ziel sei die Weiterentwicklung pflegerischer Versorgungsstrukturen und der Ausbau von niedrigschwelligen Angeboten in den Kommunen.

"Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die starke Partner vor Ort braucht. Denn die meisten Menschen wollen in den Orten alt und gepflegt werden, in denen sie den Großteil ihres Lebens verbracht haben", so Golze. Das Entstehen von Pflegebedürftigkeit habe viel mit den Lebensumständen zu tun.

Akteure unterstützen

Die Fachstellen sollen Landkreise und kreisfreie Städte, aber auch kleinere Gemeinden bei der Planung und Gestaltung lokaler Pflegestrukturen und altengerechter Lebensräume unterstützen. Geplant ist, dass sie auch andere Akteure wie Vereine, Verbände und Unternehmen bei der Quartiersentwicklung einbinden und unterstützen.

Zudem sollen die Fachstellen den Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsangebote landesweit koordinieren. Fünf Arbeitsschwerpunkte sind vorgesehen, darunter auch die Bereiche Wohnen und Technik im Alter und neue Wohnformen für Ältere und Pflegebedürftige.

Das Land stellt bis Ende 2016 bis zu 655.000 Euro für das Modellprojekt zur Verfügung. An der Umsetzung arbeiten Gesundheit Berlin-Brandenburg, die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg und das Berliner Institut für Gerontologische Forschung mit.

Der Handlungsdruck in der Pflege ist in Brandenburg besonders groß. Die Zahl der über 80 Jährigen steigt zwischen 2012 und 2030 von etwa 120.000 auf fast 250.000.

Erhebliche ungenutzte Potenziale

Bis zum Jahr 2030 rechnet das Land mit einer Zunahme der Pflegebedürftigen um 70 Prozent auf etwa 162.000, davon 87.000 Demenzkranke. Zugleich ist in Brandenburg der Anteil der Pflegebedürftigen, die zu Hause gepflegt werden, nach Angaben der AOK Nordost mit 77 Prozent besonders hoch.

"Im Vergleich zu anderen Ländern ist das ein Spitzenwert", so Kassenvize Gerlinde König. Im Namen der Pflegekassen im Land begrüßte sie das Modellprojekt. Die "Fachstellen Altern und Pflege im Quartier" bauen auf den Ergebnissen der "Brandenburger Fachkräftestudie Pflege" auf.

Sie zeige laut Ministerium, dass die Verzögerung und Vermeidung von Pflegebedürftigkeit ein wichtiges Handlungsfeld sei.

"Wer in das Leben in der Kommune eingebunden ist, auf soziale Netzwerke zurückgreifen kann und die passende Unterstützung erhält, hat ein verringertes Risiko pflegebedürftig zu werden. Hier bestehen noch erhebliche ungenutzte Potenziale, die wir mit dem Modellprojekt erschließen wollen", so Stefan Pospiech, Geschäftsführer von Gesundheit Berlin Brandenburg.

Birgitta Neumann von der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg verwies auf das Potenzial bestehender Strukturen. Mehr als 230 niedrigschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote existieren in Brandenburg demnach allein für Menschen mit Demenz. Über 2800 ehrenamtliche Demenzbegleiter sind den Angaben zufolge im Einsatz.

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