Ebola

Forschung und Entwicklung nehmen weltweit rasant Fahrt auf

Noch gibt es keine Ebola-Arznei oder -Vakzine. Nach der jüngsten Epidemie in Westafrika fließt aber immer mehr Geld in Forschung und Entwicklung. Dabei schwindet die Rolle der öffentlichen Gelder zugunsten von Mitteln aus der biopharmazeutischen Industrie.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 23.02.2017, 05:38 Uhr
Forschung und Entwicklung nehmen weltweit rasant Fahrt auf

Forscher fiebern dem Durchbruch bei der Prävention und Behandlung von Ebola entgegen.

© pressmaster/fotolia.com

Die desaströse Ebola-Epidemie, die in den beiden Jahren 2014 und 2015 insgesamt 11.308 Todesopfer in den westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone gefordert hatte, hat anscheinend zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit der Infektionskrankheit geführt. Nicht nur, dass die Weltgesundheitsorganisation im vergangenen Jahr ein Versagen eingeräumt und sich Reformen auferlegt hat, künftig ein besseres Krisenmanagement an den Tag zu legen. Auch die G7-Gruppe schrieb sich ein effektiveres und effizienteres Krisenmanagement ins Aufgabenbuch.

Parallel dazu haben die weltweiten Aktivitäten von Forschung und Entwicklung (F&E) in puncto Ebola rasant an Fahrt aufgenommen. Das geht aus der jüngst veröffentlichten Studie "G-Finder 2016 – Neglected Disease Research and Development: A pivotal Moment for Global Health" des unabhängigen australischen Forschungsinstituts Policy Cures hervor. Demnach wurden rund 574 Millionen US-Dollar für ebolaspezifische F&E-Tätigkeiten aufgewendet – 2014 waren es noch 165 Millionen Dollar, wie aus dem G-Finder 2015 hervorgeht. Für die Jahre davor wurden keinerlei ebolabezogene Daten erhoben, da keine nennenswerten F&E-Aktivitäten stattgefunden hatten.

Löwenanteil für die Vakzinentwicklung

Auf die einzelnen Investitionsbereiche heruntergebrochen zeigt sich, dass der Löwenanteil der Mittel in die F&E-Aktivitäten im Zusammenhang mit Ebola-Vakzinen geflossen ist. Waren dies 2014 noch 70 Millionen Dollar, so beliefen sich die Mittel 2015 bereits auf 370 Millionen Dollar. Wie die Studienautoren betonen, sei die rasante Zunahme vor allem dem Engagement der Industrie zu verdanken, die für zwei Drittel des Anstiegs verantwortlich zeichne.

Eine große Dynamik war laut Analyse auch im Bereich der Grundlagenforschung zu verzeichnen. Hier stiegen die Aufwendungen binnen Jahresfrist von 18 Millionen Dollar in 2014 um 149 Prozent auf 44 Millionen Dollar in 2015. Der größte Beitrag entfiel demnach auf die britische Forschungsorganisation Medical Research Council, die 2015 insgesamt 18 Millionen Dollar für die Ebola-Grundlagenforschung aufwendete – nach null Dollar im vorausgegangenen Jahr. Die Förderung der Ebola-Medikamentenentwicklung nahm um 22 Millionen Dollar auf 90 Millionen Dollar zu, was laut Studie vor allem auf ein verstärktes Engagement des öffentlichen Sektors der USA zurückzuführen ist. Ein sprunghafter Anstieg der F&E-Mittel vollzog sich ebenfalls bei der Eboladiagnostik – um 15 Millionen Dollar auf 23 Millionen Dollar in 2015.

Bei der Forschungsförderung kommt derweil der Industrie eine immer größere Bedeutung zu. Wies die Studie für 2014 noch einen Anteil der öffentlichen Gelder an den Gesamtaufwendungen von 72 Prozent aus, sank dieser Anteil innerhalb eines Jahres auf 61 Prozent. Der Anteil der philanthropisch motivierten Spender sank von 7,3 auf rund 4 Prozent. Nur der Mittelbeitrag der Industrie stieg von 21 auf 36 Prozent an.

Weltpharmaverband verweist auf London Declaration

Wie der Weltpharmaverband IFPMA (International Federation of Pharmaceutical Manufacturers & Associations) in einem Statement anlässlich der Vorstellung des G-Finder 2016 hervorhebt, zeige die Studie, dass sich die innovativen biopharmazeutischen Unternehmen mittlerweile als einer der Hauptgeldgeber für die F&E-Aktivitäten in puncto Ebola und anderer vernachlässigter Tropenkrankheiten (NTD) etabliert hätten. Die forschungsbasierte Biopharmazie-Branche unterstützte die Gesundheitsakteure rund um den Globus bei de Anstrengungen, einige der am meisten verbreiteten und kräftezehrenden vernachlässigten Krankheiten zu bekämpfen, die die Menschen schädigten, die am verwundbarsten sind. Der IFPMA verweist im Zusammenhang mit dem Forschungsengagement auch auf die Verpflichtung, die die Pharmafirmen vor fünf Jahren im Rahmen der London Declaration eingegangen sind. Die Pharmafirmen versprachen, unter anderem Arzneimittel für rund 14 Milliarden Behandlungen zu spenden. Zudem solle die Arzneiforschung in puncto NTD intensiviert werden.

Die australische Studie warnt angesichts der Erfolge aber vor zu früher Euphorie: Da es derzeit noch keine zugelassene Arznei zur Ebola-Behandlung oder Vakzine zur Prävention gebe, sei der Handlungsrahmen auf unterstützende und symptomatische Therapien begrenzt. Und die Eindämmung eines Ebolaausbruchs hänge ausschließlich an der Prävention und Kontrollstrategien.

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