Niedersachsen

Geldinfusion für Gesundheitsregionen

In Niedersachsen sollen zwölf Gesundheitsregionen mit finanzieller Unterstützung vom Land neue Möglichkeiten der lokalen Versorgung ausloten. Ministerin Rundt hat Zweifel, ob KVen da mitziehen.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:

HANNOVER. In Niedersachsen gehen zwölf Gesundheitsregionen an den Start. Damit will die Landesregierung die Akteure für die medizinische Versorgung vor Ort stärker zusammenspannen.

Nachdem das Sozialministerium im Sommer eine entsprechende Richtlinie aufgelegt hat, liegen mittlerweile von 48 Landkreisen oder kreisfreien Städten 23 Anträge vor, erklärte die niedersächsische Gesundheits- und Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) bei der Veranstaltung "Gesundheitsversorgung vor Ort zukunftsgerecht gestalten" am vergangenen Dienstag in Hannover.

Die ersten zwölf Gesundheitsregionen gehen jetzt an den Start. Jede von ihnen bekommt für den erforderlichen Strukturaufbau 15.000 bis 25.000 Euro. "Die Anträge sind bescheidreif", sagte die Ministerin. Mit dem Geld können die Initiativen einen Rahmen schaffen, um lokale Angebote  zu entwickeln.

Delegation - da geht noch mehr

So könnten Hausärzte etwa verstärkt Leistungen delegieren, "zum Beispiel über die VERAH- und Agnes-Projekte", sagte Rundt. Nach ihrer Ansicht ist "das Ende der Delegationsmöglichkeiten noch lange nicht erreicht". Denkbar sei auch die Ausweitung auf Pflegekräfte, die oft eine bessere Qualifikation als Medizinische Fachangestellte hätten, so Rundt.

"Die Gesundheitsregionen bieten die Chance, dass Handelnde vor Ort ihr Expertenwissen bündeln. Sie schauen über den eigenen Tellerrand hinaus auf das, was bereits gut läuft und welche Prozesse und Angebote im Sinne der Patientinnen und Patienten ihrer Region optimiert werden können", sagte Rundt.

Beispiele für Engagement auf dem Land nannte Professor Ferdinand Gerlach, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Frankfurt und Vorsitzender des Sachverständigenrates. Nicht nur die Patienten, auch ihre Ärzte "werden älter, weniger und bunter", so Gerlach.

Darauf müsse man sich einstellen. Generell gelte, wo der Mangel am größten ist, sind auch die Veränderungsbereitschaft und die Innovationskraft am größten. "Abwarten ist jedenfalls keine Option!"

"Es gibt Praxen die stellen ihren angestellten Ärzten Autos zur Verfügung, damit sie vom Wohnort zur Praxis fahren können. Es gibt Landkrankenhäuser, die rund um die Uhr Kinderbetreuung anbieten", sagte Gerlach.

Insgesamt habe der Sachverständigenrat über 400 innovative Modelle in Deutschland gezählt: Teampraxen mit Liäson-Sprechstunden, Teilzeitmodelle, Kinderbetreuung, Hol- und Bring-Dienste für Patienten mit Bussen oder Taxis, besondere Versorgung chronisch Kranker.

Weiterhin gebe es Projekte der Telemedizin "oder Ländliche Gesundheitszentren (LGZ), in denen junge Ärzte zwei Tage in der Woche praktizieren, eine Wohnung dort haben - inklusive Kinderbetreuung -, und dann wieder in die Stadt fahren", berichtete Gerlach.

Britta Richter von der Landesvereinigung für Gesundheit und der Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen betonte den notwendigen lokalen Charakter der meisten Maßnahmen. "Die Determinanten von Gesundheit liegen oft außerhalb des eigentlichen Gesundheitssystems: Bildung, Mobilität oder Zeit. Auf diese Determinanten kann nur vor Ort wirksam eingegangen werden."

Ministerin Rundt fragte in der nachfolgenden Diskussion, "ob die KVen die Kraft für solche Veränderungen haben." Die Existenzberechtigung der KVen ergebe sich aus dem Sicherstellungsauftrag. Die KV Niedersachsen ist zwar Mitinitiatorin des Projekts "Gesundheitsregionen Niedersachsen". Aber die auf der Tagung anwesenden KV-Vertreter antworteten der Ministerin nicht.

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