Gesetzliche Krankenversicherung

Ersatzkassen: Tabaksteuer rauf, dafür Mehrwertsteuer für Arzneimittel runter

Aus der Koalition werden Rufe nach einer Erhöhung der Tabaksteuer laut. Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, kann der Forderung etwas abgewinnen – und macht eine Rechung auf.

Veröffentlicht:
Höhere Steuern als Instrument? Eine geöffnete Zigarettenpackung liegt auf einem Tisch. (Symbolbild)

Höhere Steuern als Instrument? Eine geöffnete Zigarettenpackung liegt auf einem Tisch. (Symbolbild)

© Sven Hoppe/dpa

Berlin. Überfällig oder unsinnig? Angesichts klammer Kassen feiert die Debatte um eine höhere Steuer auf Tabak Wiederauferstehung. Dies wohl auch wegen des Weltkrebstages (4. Februar).

Der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Professor Hendrik Streeck, argumentiert auf der Platfform „X“ so: „Tabakkonsum kostet jedes Jahr rund 131.000 Menschenleben, verursacht über 30 Milliarden Euro direkte Gesundheitskosten sowie fast 70 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Folgekosten. Das müssen wir ändern.“

„Hilft, das Rauchen zu reduzieren“

Zuspruch kommt aus dem Krankenkassenlager: „Eine Verteuerung von Tabakprodukten unterstützt die Menschen nachweislich dabei, das Rauchen zu reduzieren oder ganz damit aufzuhören“, sagt die Chefin beim Ersatzkassenverband (vdek), Ulrike Elsner.

Zigaretten seien in Deutschland mit rund neun Euro pro Schachtel vergleichsweise günstig, so Elsner. Viele europäische Staaten setzten bereits auf Tabakprävention mittels hoher Preise. Elsner nannte unter anderem Großbritannien. Auf der Insel werden rund 17 Euro für eine Schachtel fällig. „Hier sollten wir nachziehen.“

Kritische Stimmen wenden ein, eine Anhebung der Tabaksteuer erhöhe zwar die Steuereinnahmen des Staates – senke aber nicht das Rauchverhalten der Menschen. Auch drohe der Schwarzhandel zuzunehmen – so das Argument etwa der Tabakbranche.

Elsner dagegen macht diese Rechnung auf: Mehreinnahmen, die über eine erhöhte Tabaksteuer flössen, würden Spielraum schaffen, um im Gegenzug die Mehrwertsteuer für Arznei- und Hilfsmittel von 19 auf sieben Prozent zu senken. Ähnlich hatte sich zuvor der Vorstandschef der DAK Gesundheit, Andreas Storm, geäußert.

Es geht um sieben Milliarden Euro

„Das wäre ein wichtiger Baustein, um die angespannte Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung zu entlasten, und entspricht einer langjährigen Forderung der Ersatzkassen“, macht Elsner deutlich.

Lesen sie auch

Arznei- und Hilfsmittel gehören wie Grundnahrungsmittel zu „unverzichtbaren Gütern“ für die Gesundheit und sollten daher nicht länger höher besteuert werden, so ihr Argument. Im Zuge einer Senkung der Mehrwertsteuer für Arzneien auf sieben Prozent könnten die Kassen etwa sieben Milliarden Euro jährlich einsparen. „Das entspricht in etwa dem Betrag, den eine Erhöhung der Tabaksteuer um zwei Euro pro Packung jährlich einbringen würde.“

Spannend wird sein, welche Vorschläge die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) einberufene GKV-Finanzkommission auf den Tisch legt. Erste Ergebnisse werden für Ende März erwartet. Der Druck auf die Politik ist groß: Den Kassen droht 2027 ein Finanzloch im zweistelligen Milliardenbereich. (hom)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Strukturelle Ursachen ausschließen!

Das sind die Red Flags bei Nackenschmerzen

Landessozialgericht Baden-Württemberg

Urteil: Vollkostenerstattung der TI war gesetzlich nie beabsichtigt

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: So sieht die optimale Therapie (derzeit) aus

Lesetipps
Ein einbandagierter Fuß

© Patrick Bonnor / stock.adobe.com

Wundheilung

Ulcus cruris venosum: Was für die Kompressionstherapie wichtig ist

Nahaufnahme eines Smartphone-Bildschirm mit dem Chatverlauf des Smartphonebesitzers mit einem Chatbot.

© terovesalainen / stock.adobe.com

Tipps für die Praxis

Wie sag ich‘s Patienten, dass der KI-Chatbot falschliegt?

Rita Süssmuth steht in ihrem Büro im Deutschen Bundestag.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Nachruf

Rita Süssmuth: Kämpferin gegen Diskriminierung