Arzneimittelpolitik

Generika entlasten gesetzliche Kassen 2008 um elf Milliarden Euro

BERLIN (ble). Um rund elf Milliarden Euro haben Verordnungen von Generika nach Angaben des Branchenverbandes Pro Generika im vergangenen Jahr die GKV entlastet. Für Verbandsgeschäftsführer Peter Schmidt ist das Ende der Fahnenstange jetzt aber erreicht.

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Bei der Vorstellung von Zahlen zum GKV-Arzneimittelmarkt 2008 warnte Schmidt gestern in Berlin vor der Abwanderung von Produktionsstätten ins Ausland. Als Gründe nannte er einen "Schraubstock" aus Herstellerabschlägen, Festbeträgen und Zuzahlungsbefreiungen sowie einen von der Bundesregierung ausgelösten ruinösen Unterbietungswettbewerb bei Rabattverträgen. Dies führe inzwischen zu einer bedrohlichen Erosion der Erlöse. "Der Generika-Produktionsstandort Deutschland steht auf dem Spiel", so Schmidt.

Die Generikahersteller befänden sich inzwischen in einem "Gefangenendilemma": Über die Teilnahme an Rabattverträgen versuchten sie, sinkende Margen über einen höheren Umsatz auszugleichen. Da dies aber alle Hersteller versuchten, gingen die Erlöse immer weiter nach unten. Schmidt forderte von der Politik daher, sich entweder für mehr staatlichen Dirigismus oder mehr Preiswettbewerb zu entscheiden. Beides zusammen gehe nicht.

Im vergangenen Jahr hatten Generika laut Branchenverband einen Umsatzanteil von 11,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 7,8 Milliarden Euro auf klassische Generikahersteller, ein Plus von 613 Millionen Euro, der Rest auf patentfreie Erstanbieterprodukte. Allerdings seien Mehreinnahmen aus diesem Umsatzanstieg durch Preisnachlässe bei Rabattverträgen wieder aufgezehrt worden, so Dr. Stefan Plantör, Bereichsleiter Markt und Wissenschaft. Nach den Worten Schmidts liegen die deutschen Generikapreise bereits seit 2006 unter den Preisen in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Insgesamt gaben die Kassen 2008 rund 27,3 Milliarden Euro für Arzneimittel aus.

Basis für das von Pro Generika genannte Einsparvolumen von 11 Milliarden Euro für die GKV in 2008 ist der Vergleich mit dem Originalpreis des ersetzten Medikaments. In dieser Berechnung nicht enthalten sind Preisnachlässe von Herstellern im Rahmen von Rabattverträgen.

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