Arme häufiger krank

Gesundheit hängt am Geldbeutel

Teufelskreis Armut: Geringverdiener fühlen sich häufiger krank und gehen früher in Rente als Menschen mit einem hohen Einkommen.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Das Einkommen ist für die Gesundheit offenbar entscheidend.

Das Einkommen ist für die Gesundheit offenbar entscheidend.

© imago / teutopress

BERLIN. Die sozial Schwachen werden immer häufiger krank, die Reichen hingegen fühlen sich gesünder: Im Jahr 2010 prägte der Einkommensstatus der Deutschen stärker als je zuvor die Gesundheitschancen. Das geht aus dem Entwurf des vierten Armutsberichtes der Bundesregierung hervor.

Der Entwurf sorgt derweil für einen heftigen Streit innerhalb der schwarz-gelben Koalition. Die FDP und Teile der CDU lehnen den Entwurf von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in weiten Teilen ab.

Sie kritisieren vor allem die Lesart des Berichts, wonach durch neue Steuern bei Gutverdienern die öffentlichen Haushalte aufgepeppelt werden könnten. Die Armuts- und Reichtumsberichte müssen vor Veröffentlichung vom Bundeskabinett gebilligt werden.

Dem Entwurf auf dem Arbeitsministerium zufolge ist der Anteil der Geringverdiener mit einem schlechten Gesundheitszustand in den Jahren von 2004 bis 2010 deutlich gestiegen.

Im Jahr 2004 bezeichneten noch 9,2 Prozent der Männer, die über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügten, ihren Gesundheitszustand als "weniger gut" oder "schlecht".

Sechs Jahre später ist dieser Anteil auf 12,7 Prozent gestiegen. Bei Frauen nahm der Anteil der gesundheitlich belasteten Geringverdiener im selben Zeitraum von 9,6 auf 13,4 Prozent zu.

Der Trend bei den Gutverdienern verläuft genau andersrum: Bei Menschen mit mehr als 150 Prozent des Durchschnittseinkommens veränderte sich der Anteil der Männer mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen nur sehr gering (2004: 3,3 Prozent; 2010: 3,5 Prozent).

Bei Frauen mit hohem Einkommen ist der Anteil derer mit gesundheitlicher Belastung sogar von 6,4 (2004) auf 4,0 Prozent (2010) gesunken. Die gesundheitliche Chancenungleichheit ist in Deutschland seit 2004 somit deutlich gewachsen.

Auch häufig früher in Rente

Die GEDA-Studie 2010, eine Komponente des Gesundheitsmonitorings des Robert Koch-Instituts, kam zu einem ähnlichen Ergebnis.

Demnach haben 85 Prozent der Männer mit hohem beruflichen Status einen sehr guten oder guten Gesundheitszustand. Bei den Männern mit geringem beruflichen Status sind es mit nur 59 Prozent deutlich weniger.

Als Gründe für diese Unterschiede werden in dem Entwurf zum Armutsbericht die verschiedenen Branchen genannt, in denen die Menschen arbeiten.

Gering qualifizierte Erwerbstätige gehen zudem früher in Rente: Männer ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung haben im Vergleich zu Männern, die ein Studium absolviert haben, ein 5,6-fach erhöhtes Risiko für einen frühzeitigen Renteneintritt.

Meistens ist eine Krankheit oder ein Unfall der Grund dafür. Eine Krankheit erhöht laut Entwurf zudem wiederum das Risiko von Armut und sozialer Ausgrenzung. Vor allem sinken die Chancen dieser Menschen, wieder eine Beschäftigung zu finden.

Um Armutsrisiken aufgrund von Krankheit zu vermeiden müsse vermehrt auf Prävention gesetzt werden, fordert die Bundesregierung.

Vor allem müsse Prävention bereits bei Kindern und Jugendlichen ansetzen. Die schwarz-gelbe Koalition hat für diesen Herbst eine Nationale Präventionsstrategie angekündigt.

Kinder lernen gesundes Verhalten von den Eltern

Das Gesundheitsverhalten der Kinder hängt stark von ihrer Sozialisation in bestimmten Schultypen ab. Auch die Bildung und die soziale Lebenslage der Eltern wirken sich extrem darauf aus, was Kinder über eine gesunde Lebensführung lernen. Der vierte Armutsbericht der Bundesregierung kommt daher zu dem Ergebnis, das Prävention bereits im Kindesalter einsetzen müsse.

Gesundheitsförderung müsse "über Kindertagesstätten oder Schulen" vermittelt werden, heißt es in dem Bericht. Das allein sei jedoch bei den Kindern, die in sozial benachteiligten Stadtteilen aufwachsen, nicht ausreichend. Hier herrschten insgesamt schlechtere Lebensbedingungen. Daher brauche es eine Intervention, die nicht nur eine einzelne Person anspricht, sondern am Wohnumfeld der Kinder ansetzt.

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