Direkt zum Inhaltsbereich

Gesundheitsexperten fordern Roadmap für Prävention

Präventionspogramme müssen besser auf ihre "Zielkunden" zugeschnitten werden, so eine aktuelle Studie.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:

BERLIN. In Sachen Prävention und gesunde Lebensweise haben die Deutschen großen Nachholbedarf. Dies belegt eine aktuelle Umfrage der Unternehmensberatung Roland Berger unter 1000 Bundesbürgern. Demnach führen 30 Prozent der Erwachsenen einen ungesunden Lebensstil: Sie essen zu fett, rauchen zu viel und bewegen sich deutlich zu wenig. "Die Studie zeigt zwei klare Tendenzen", sagte der Leiter des Kompetenzzentrums Healthcare bei Roland Berger, Dr. Joachim Kartte. Männer lebten ungesünder als Frauen. Von den besonders ungesund Lebenden seien zwei Drittel Männer. Und: "Ein niedriger Bildungsabschluss erhöht das Risiko für Adipositas und ungesundes Verhalten deutlich", betonte Kartte. Bei Personen mit Hauptschulabschluss komme Fettleibigkeit im Vergleich zu Akademikern mehr als doppelt so oft vor. "Beim Faktor Einkommen lässt sich dieser Zusammenhang nicht feststellen." Dies zeige, so Kartte, "dass Bildung ein Schlüssel sei, um die negativen Folgen eines niedrigen sozialen Status auf die Gesundheit abzufedern".

Kartte wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es in Deutschland derzeit zahlreiche Präventionsprogramme gebe. "Allerdings wurde bislang keine echte Zielgruppenanalyse durchgeführt." Vorhandene Angebote zur Gesundheitsvorsorge erreichten die wenig motivierten Menschen nur selten. Aber nur wenn die "Zielkunden" erreichbar seien, könne Vorsorge funktionieren.

Die Studie grenze daher die Gruppen ein, bei denen Prävention besonders nötig ist und definiere die Orte, an denen sie gut erreicht werden können, sagte der Gesundheitsexperte Karsten Neumann. Kranke etwa ließen sich optimal in der Arztpraxis ansprechen, Gesunde erreiche man am besten am Arbeitsplatz. Ärzte und Unternehmen seien "ideale Präventionskanäle".

Aufgabe der Politik sei es, einen Handlungsrahmen für Prävention zu erarbeiten und für eine solide Finanzierung zu sorgen, so die Experten. Gefordert seien hier mehrere Ressorts: Das Bundesgesundheitsministerium müsse eine übergeordnete Präventionsstrategie entwickeln, das Verbraucherschutzministerium Ernährung als zentrale Präventionssäule fördern, das Forschungsministerium Projekte zur Versorgungsforschung vorantreiben und das Wirtschaftsministerium private Anbieter von Prävention unterstützen.

Die große Koalition war 2005 mit dem Ziel angetreten, ein Präventionsgesetz zu verabschieden. Pläne dafür wurden aber immer wieder auf Eis gelegt, da sich Union und SPD nicht über Organisation und Finanzierung einigen konnten.

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Auswirkungen auf ambulante Versorgung

MEDI-Umfrage: Vertragsärzte warnen vor Folgen der Rotstift-Politik

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Fehlende Folgediagnosen verfälschen das Bild

Zi: Endometriose wird in Abrechnungsdaten häufig unterschätzt

Lesetipps
Karzinom in der Bauchspeicheldrüse in schematischer Darstellung

© Crystal light / stock.adobe.com

Chance auf frühe Diagnose?

Pankreaskrebs: Welche Verschreibungen Verdacht wecken sollten

Eine Agarplatte mit angewachsenen Pilzkolonien.

© Saiful52 / stock.adobe.com

Prophylaxe, Diagnostik und Therapie

Pilzinfektionen in der Hämatologie/Onkologie: So gehen Sie vor

Körpersprache ist stärker als das gesprochene Wort. Man kann aufgebrachten Patienten daher durchaus auch die Handfläche zeigen, also leicht ausgestreckter Arm, man zeigt die Handfläche und signalisiert dem Patienten „Stopp“, so Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke.

© Doodeez / Stock.adobe.com

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren