Hartmannbund ruft Ärzte zur Kündigung auf

Das Geschäftsgebaren der Aller-Weser-Kliniken geht dem Niedersächsischen Hartmannbund gegen den Strich. "Die Geschäftsführerin braucht eine ökonomisch-therapeutische Beratung", so die klare Kritik. Der Rat des Ärzteverbandes: Die dort arbeitenden Ärzte sollten sich aus dem Staub machen.

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Dr. Bernd Lücke, Vorsitzender des Hartmannbundes Niedersachsen

Dr. Bernd Lücke, Vorsitzender des Hartmannbundes Niedersachsen

© Hartmannbund Niedersachsen

HANNOVER (cben). Der Niedersächsische Hartmannbund will seinen Kollegen in den Aller-Weser-Kliniken die Kündigung empfehlen. Das sagte der Vorsitzende, Dr. Bernd Lücke, der "Ärzte Zeitung".

"Wir ermitteln derzeit die Adressen der Kollegen, um ihnen zur Kündigung zu raten", so Lücke. Die Geschäftsführerin der Kliniken, Marianne Baehr, hatte in der "Ärzte Zeitung" erklärt, trotz Ärztemangels das Versorgungsangebot in den beiden Krankenhäusern in Achim und Verden südlich von Bremen ausbauen zu wollen.

400.000 Euro Verlust monatlich

Zugleich beklagte sie die hohen Kosten für Honorarärzte, mit denen die Krankenhäuser gezwungen seien zu arbeiten.

Im vergangenen Jahr haben die Aller-Weser-Kliniken monatlich 400.000 Euro Verlust gemacht. Dessen ungeachtet plant die Geschäftsführung einen Bettenhausneubau für 18 Millionen Euro.

"Sie sollte den Laden dicht machen"

Dies kritisierte der Hartmannbund-Vorsitzende scharf: "Frau Baehr braucht ökonomisch-therapeutische Beratung!" Statt das Angebot in den Kliniken zu erweitern, "sollte sie den Laden dicht machen und die medizinischen Kapazitäten konzentrieren", so Lücke.

Wer das Geld in neue Gebäude stecke und dann kein Personal zur Verfügung habe, verschwende Mittel.

"Aller-Weser-Kliniken sollten sich nur noch auf die Basisversorgung konzentrieren"

In Niedersachsen gebe es 30 Prozent mehr Krankenhausbetten als nötig, so die Zahlen des HB. "Die Aller-Weser-Kliniken sollten sich zum Beispiel in nur noch einem ihrer Häuser auf die Basisversorgung und auf die innere Medizin konzentrieren und fertig", forderte Lücke.

Die kleinen Häuser würden nicht mit den großen Krankenhäusern etwa in Bremen konkurrieren können. "Es geht der Verwaltung nur um den Erhalt der eigenen Arbeitsplätze. Sie will ihr eigenes Versagen kaschieren", vermutet der HB-Chef.

Den Klinikärzten in Verden und Achim könne man nur die Kündigung empfehlen. Am 27. Oktober wird dort über einen Notlagentarifvertrag verhandelt.

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