Berufspolitik

Individualisierte Medizintechnik stärker fördern

Nach der personalisierten Pharmakotherapie nun auch eine individualisierte Medizintechnik? Das ist keine Zukunftsmusik mehr, sagen Experten aus der Elektrotechnik-Branche.

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MÜNCHEN (sto). Eine individualisierte Medizin ist ohne Technik gar nicht vorstellbar. Darauf hat Professor Thomas Schmitz-Rode, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im Verband der Elektrotechnik (DGBMT) in München hingewiesen.

Neue bildgebende Verfahren, spezielle Analytik-Systeme oder auch die Kombination von Medizintechnik und Pharmakologie wie beispielsweise in Drug Eluting Stents eröffneten ganz neue Behandlungsmöglichkeiten, bei denen der individuelle Organismus eines Patienten viel stärker als bisher berücksichtigt werden kann, erläuterte Schmitz-Rode.

Forschung sollte breiter gefördert werden

Die Erforschung und Entwicklung personalisierter Medizintechnik sei interdisziplinär, anspruchsvoll und kostenintensiv, ergänzte Dr. Cord Schlötelburg, Geschäftsführer der DGBMT. Um die wirtschaftlichen Potenziale dieser Entwicklung besser nutzen zu können, sei eine breitere Forschungsförderung in diesen Bereichen erforderlich.

Vor allem interdisziplinäre Querschnittsthemen der Medizintechnik sowie späte Forschungs- und Entwicklungsphasen sollten stärker gefördert werden, erklärte Schlötelburg. Außerdem müssten Hürden, die die Einführung neuer Techniken im klinischen Alltag behindern, abgebaut werden.

Anlass war die Präsentation eines Innovationsreports "Personalisierte Medizintechnik", in dem Themen wie Biomarker, Bioimplantate, computergestützte Patientenmodelle und "Theranostik" im OP, also die technologiegestützte Verschmelzung von Therapie und Diagnostik, von Experten aus klinischer und aus technologischer Sicht erläutert werden.

Organe realitätsnah am PC dargestellt

So sei es schon heute mit Hilfe moderner Informationstechnik möglich, Organe eines bestimmten Patienten anhand verschiedener Daten zu beschreiben und realitätsnah am Computer abzubilden.

Dabei werden nicht nur Bilder, sondern auch Blutwerte oder EKG-Daten verarbeitet. Veränderungen im Laufe der Zeit oder funktionelle Größen wie eine Kontraktion ließen sich so darstellen, hieß es.

Mit Hilfe solcher Patientenmodelle sei es auch möglich, eine hypothetische Diagnose zu überprüfen, indem der Computer berechnet, ob und inwieweit diese mit allen hinterlegten Patientendaten vereinbar ist.

Wenn dann auch noch Daten aus empirischen Patientenstudien berücksichtigt werden, sei es sogar möglich, anhand der Simulationen auch Aussagen über die Wahrscheinlichkeit des weiteren Krankheitsverlaufs und über die möglichen Auswirkungen eines Therapieansatzes zu treffen, teilten die Experten mit.

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