Umfrage „Aufwertung sozialer Berufe“

Jeder fünfte Jugendliche kann sich Pflegetätigkeit vorstellen

Für viele junge Menschen gilt ein Pflegejob als anspruchsvoll und abwechslungsreich, sagt die Bundesjugendministerin. Bei der Frage der Bezahlung gebe es aber Luft nach oben. Und Geschlechterklischees seien aufzulösen.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 07.07.2020, 15:04 Uhr
Jeder fünfte Jugendliche kann sich Pflegetätigkeit vorstellen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey stellte Ergebnisse der Jugendbefragung „Aufwertung sozialer Berufe“ auf einer Pressekonferenz am Dienstag vor.

© Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey hat bessere Rahmenbedingungen in der Pflege gefordert. Das sei Grundvoraussetzung dafür, dass mehr junge Menschen eine Pflegeausbildung absolvierten, sagte die SPD-Politikerin bei der Vorstellung von Ergebnissen der Jugendbefragung „Aufwertung sozialer Berufe“ am Dienstag.

„Ein vielfältiger Beruf“

Die Studie belege, dass viele Jugendliche einer Pflegetätigkeit durchaus zugeneigt wären, betonte Giffey. „Das Potenzial ist da.“ Pflege werde als „vielfältiger Beruf“ geschätzt. Gleichwohl wünschten sich viele junge Menschen bessere Löhne und mehr Aufstiegschancen in der Kranken- und Altenpflege. Sowohl in der Pflege als auch im Bereich der frühen Bildung werde Nachwuchs dringend gebraucht, so Giffey.

Im Rahmen der Studie befragte das Meinungsforschungs-Institut Sinus für das Jugendministerium über 1000 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Die Befragungen fanden im März und April 2020 statt.

Knapp ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) kann sich demnach vorstellen, in der Pflege zu arbeiten. Weitere 17 Prozent zeigen sich „grundsätzlich“ interessiert an einer Pflegetätigkeit, müssen aber noch stärker dafür begeistert werden. 20 Prozent sagen, sie seien derzeit nicht an einem Pflegejob interessiert, am Berufsfeld insgesamt aber schon.

Leistung und Bezahlung „inakzeptabel“

Informationen über die Arbeit als Pflegekraft oder Erzieher bezögen junge Menschen primär über soziale Kontakte, also über Gespräche mit Eltern, Bekannten oder Freunden, erläuterte die Leiterin Forschung und Beratung beim Sinus-Institut, Dr. Silke Borgstedt.

Als reizvoll an einer Pflegetätigkeit stuften viele das Gefühl von Verantwortung und Sinnstiftung ein, so Borgstedt. Das Verhältnis von Leistung und Bezahlung werde jedoch oft als „inakzeptabel“ bezeichnet. Auch Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten würden “schlecht“ bewertet.

Junge Frauen fühlten sich in ihrer Entscheidung, einen Pflegeberuf ergreifen zu wollen, zudem stärker unterstützt von Eltern und Freunden als das bei jungen Männern der Fall sei, sagte Borgstedt. Das habe sicherlich auch etwas damit zu tun, dass Pflegeberufe primär als Frauenberufe gelten würden.

Junge Männer stärker ansprechen

Viele Jugendliche wünschten sich überdies mehr Aufklärungsarbeit seitens der Politik, welche Aufstiegs- und Karrierechancen es konkret gebe. Künftige Potenziale für die Nachwuchsgewinnung fänden sich in der Gruppe höher gebildeter junger Menschen und der Gruppe der Männer.

„Wir haben noch immer starke Geschlechter-Klischees“, betonte auch Giffey. Diese seien zu durchbrechen. Die Coronavirus-Pandemie habe gezeigt, dass Pflegekräfte – wie auch Erzieherinnen und Erzieher – „doppelt systemrelevant“ seien für die Gesellschaft. „Sie leisten nicht nur hochqualifizierte Arbeit, sondern sichern zusätzlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Deutschland sei bei der Aufwertung der Pflege schon vorangekommen, sagte Giffey. „Wir stehen hier nicht am Anfang einer Entwicklung.“ Zum 1. Januar 2020 sei für Pflegeauszubildende das Schulgeld flächendeckend abgeschafft worden, erinnerte die Ministerin. Die Ausbildung werde fest vergütet.

Sie liege im ersten Ausbildungsjahr bei 1140 Euro brutto monatlich. Im zweiten Jahr steige das Salär auf 1202 Euro, im dritten auf 1303 Euro, so Giffey. Das versetze junge Menschen in die Lage, „sich eine Ausbildung im Bereich Pflege leisten zu können.“

Mehr Tarifbindung als Ziel

Insgesamt seien die Gehälter für Pflegefachkräfte in den vergangenen Jahren nach oben geklettert, so Giffey. Eine Fachkraft im Krankenhaus verdiene im Schnitt etwa 3415 brutto monatlich, in der Altenpflege etwa 2877 Euro. „Wir sehen, es gibt eine Entwicklung, trotzdem zeigt uns die Studie, dass Geld noch immer eine Rolle spielt.“

Ziel müssten eher tarifgebundene Arbeitsverhältnisse sein, insbesondere in der Altenpflege. Derzeit seien nur etwa 20 Prozent der Stellen tarifgebunden, forderte Giffey.

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Kommentare
Dr. Peter Schimmelpfennig

Sehr wichtig, dass in dem ehemaligen Land der Tüftler und Ingenieure jetzt junge Männer in Pflegeberufe gehen. Ich bin mal gespannt darauf, wie unser Lebensstandard aufrecht erhalten werden kann, wenn 20% des Nachwuchses im Pflegeberuf arbeiten.


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