WIdO-Pflegereport

Jeder vierte pflegende Angehörige stark gestresst

Waschen, anziehen, begleiten, trösten: Pflegende Angehörige stemmen eine Mammutaufgabe – manche rund um die Uhr. Viele geraten dabei an Grenzen, wie aus dem neuen WIdO-Pflegereport hervorgeht.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 02.09.2020, 12:35 Uhr
Pflege zu Hause. Im Schnitt verbringen pflegende Angehörige achteinhalb Stunden pro Tag mit dieser Tätigkeit.

Pflege zu Hause. Im Schnitt verbringen pflegende Angehörige achteinhalb Stunden pro Tag mit dieser Tätigkeit.

© pressmaster / stock.adobe.com

Berlin. Deutschlands größter Pflegedienst steht gehörig unter Druck. Laut dem am Mittwoch in Berlin vorgelegten Pflegereport 2020 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) fühlt sich etwa ein Viertel aller Pflegehaushalte zeitlich und emotional gestresst von der heimischen Pflege.

Für die Studie befragte das Institut Forsa im Auftrag des WIdO von Dezember 2019 bis Januar 2020 rund 1100 pflegende Angehörige.

Eigenanteile bei 250 Euro im Monat

Finanzielle Bürden fallen dagegen weniger ins Gewicht. Während die von Heimbewohnern aufzubringenden Eigenanteile für Pflege und Betreuung im Schnitt 775 Euro pro Monat betragen, liegen die entsprechenden Aufwendungen der Haushalte, in denen Angehörige gepflegt werden, bei im Schnitt 250 Euro monatlich.

In Deutschland werden knapp drei Viertel der rund 3,9 Millionen Pflegebedürftigen zu Hause betreut – zumeist ausschließlich von einem der etwa 4,7 Millionen pflegenden Angehörigen. Zumeist sind es Frauen, die einen pflegebedürftigen Partner oder Angehörigen versorgen.

Häusliche Pflege stärken!

Wegen der hohen Belastungen in der häuslichen Pflege dürfe bei der geplanten Reform der Pflegeversicherung nicht bloß über eine Begrenzung der Eigenanteile für Bewohner von Pflegeheimen gesprochen werden, sagte die Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO und Mitherausgeberin des Reports, Dr. Antje Schwinger.

Die Politik müsse auch die ambulante Pflege und „die individuell sehr unterschiedlichen Bedarfslagen der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen stärker in den Blick nehmen“, so die Pflegeforscherin.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte Anfang des Jahres eine Finanzreform bei der Pflege angekündigt. Anlass sind vor allem die zuletzt massiv gestiegenen Eigenanteile bei den rund 800.000 Pflegeheimbewohnern.

Belastungen ungleich verteilt

Im Mittel geben die befragten Pflegehaushalte laut WIdO-Report eine zeitliche Belastung von mehr als achteinhalb Stunden pro Tag für die Unterstützung der Pflegebedürftigen an. Knapp drei Viertel dieser Zeit übernehmen die Haupt-Pflegepersonen.

Etwa 1,5 Stunden werden von anderen – nicht bezahlten – Personen und nur knapp eine Dreiviertelstunde pro Tag von Pflegediensten oder über andere Leistungen der Pflegeversicherung erbracht.

Die Studie zeigt auch, dass die Belastung durch Pflege ungleich verteilt ist. Haushalte, in denen Menschen mit den Pflegegraden 3 bis 5 oder mit einer demenziellen Erkrankung gepflegt werden, sind demnach besonders gefordert: Hier leistet ein Viertel der betroffenen Haushalte täglich rund zehn Stunden Pflegearbeit. Jeder zehnte dieser Haushalte gibt sogar Pflegezeiten von 20 Stunden und mehr an.

Wunsch nach mehr Unterstützung

Die Hälfte der Befragten wünscht sich vor allem mehr Unterstützung in den Bereichen „Körperpflege, Ernährung und Mobilität“, beim Thema „Betreuung und Beschäftigung im Alltag“ sowie bei der „Führung des Haushalts“.

Bei Angehörigen, die „hoch belastet“ sind, ist der Wunsch nach externer Hilfe noch stärker ausgeprägt.

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