GKV

Kassen erwarten steigende Beiträge

Minister Jens Spahn baut das Gesundheitswesen um. Das kostet Geld. Die Krankenkassen richten die Versicherten schon mal auf höhere Beiträge ein.

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Wie viel Geld wird die gesetzliche Krankenversicherung in den kommenden Jahren brauchen?

Wie viel Geld wird die gesetzliche Krankenversicherung in den kommenden Jahren brauchen?

© Christian Ohde / chromorange / picture alliance

Berlin. Auf gesetzlich Versicherte könnten in den kommenden Jahren höhere Beiträge zukommen. „Allein in diesem Jahr rechnen wir aufgrund des Terminservicegesetzes und des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes mit fünf Milliarden Euro Mehrausgaben“, sagte Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, der „Welt am Sonntag“.

Zum Jahresanfang 2020 habe es kaum Beitragserhöhungen gegeben. „Im kommenden Jahr wird es allerdings schwieriger aussehen, denn viele der beschlossenen Gesetze führen zu dauerhaft höheren Ausgaben“, sagte Kiefer. „Und wenn die Rücklagen erst mal aufgebraucht sind, führt kein Weg an höheren Beiträgen vorbei.“

Bereits zum Jahresende hatte der GKV-Spitzenverband erklärt, dass das das Defizit 2019 bei über einer Milliarde Euro gelegen haben dürfte.

Im Jahr 2018 hatte der Einnahmeüberschuss der Krankenkassen dem Bundesgesundheitsministerium zufolge noch zwei Milliarden Euro betragen.

IW-Ökonom Pimpertz: „Finanzierungsdruck steigt“

Nach Angaben des Ministeriums lagen die Finanzrücklagen der Kassen Ende September 2019 bei rund 20,6 Milliarden Euro – etwa dem Vierfachen der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreserve.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nannte das Minus in den Bilanzen der Kassen Anfang Dezember „ein unechtes Defizit“, das durch Rücklagen-Abbau entstehe. Auf Geheiß der Politik sind die Kassen dazu angehalten.

Der offizielle Zusatzbeitrag ist 2020 von zuletzt 0,9 auf jetzt 1,1 Prozent gestiegen. Die meisten Krankenkassen haben ihn jedoch stabil gehalten.

Der Ökonom Dr. Jochen Pimpertz vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln warnt in der „Welt am Sonntag“ vor Panikmache. Kurzfristig erwarte der Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes keine extremen Ausschläge.

Es sei zwar unbestritten, „dass die Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig überdurchschnittlich stark steigen werden“. Das liege aber nicht in erster Linie an neuen Gesetzen, sondern am demografischen Wandel, am medizinisch-technischen Fortschritt sowie an einer ineffizienten Steuerung des Gesundheitssystems.

„Der Finanzierungsdruck wird deshalb in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich zunehmen“, sagte Pimpertz. (dpa)

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