Berufspolitik

Kinderärzte verschenken viel Geld

Es gibt mehr Honorar, doch nur wenige greifen zu: Viele Kinderärzte könnten Vorsorgeuntersuchungen profitabler abrechnen, aber sie tun es nicht. Das wundert den Pädiaterverband.

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Eine Kinderärztin untersucht einen Jugendlichen: Für die U 10, U 11 und J 2 gibt es nach den neuen Verträgen mehr Honorar als für die Vorsorgeuntersuchungen bis zur U 9.

Eine Kinderärztin untersucht einen Jugendlichen: Für die U 10, U 11 und J 2 gibt es nach den neuen Verträgen mehr Honorar als für die Vorsorgeuntersuchungen bis zur U 9.

© Tatjana Balzer / fotolia.com

BAD ORB (ras). Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat über die BVKJ-Service GmbH bundesweit mittlerweile mit den meisten großen Krankenkassen Selektivverträge abgeschlossen.

Diese werden von den Pädiatern aber immer noch nicht in vollem Maße ausgeschöpft.

2400 von 4600 Pädiatern nutzen den Barmer GEK-Vertrag

Derzeit seien 4600 Pädiater in den Barmer GEK-Vertrag nach Paragraf 73b eingeschrieben.

Der Vertrag aber werde aber nur von 2400 Kinder- und Jugendärzten tatsächlich genutzt, bedauerte Verbandspräsident Dr. Wolfram Hartmann beim 39. Herbst-Kongress des BVKJ in Bad Orb.

50 Euro für U 10, U 11 und J 2

Dies sei vor allem auch deshalb unverständlich, weil die Pädiater für die neuen Vorsorgeuntersuchungen U 10, U 11 und J 2 - den eigentlichen Innovationen der Verträge - mit 50 Euro deutlich mehr Honorar erhalten als für die Früherkennungsuntersuchungen bis zur U 9.

Diese sind in der Regelversorgung mit 30 Euro vergütet. Allerdings sind diese neuen Vorsorgen auch deutlich anspruchsvoller und zeitintensiver.

Auch mit der Techniker Krankenkasse einen Vertrag geschlossen

Zuletzt hat nun auch die Techniker Krankenkasse einen Vertrag nach Paragraf 73c mit der BVKJ Service GmbH abgeschlossen. Gleiche oder ähnliche Verträge bestehen mit der KKH Allianz, der Knappschaft, der BIG direct gesund, der Deutschen BKK, der Siemens BKK und der BKK Mobil Oil.

Bundesweit können die Pädiater allein mit den bundesweiten Selektivverträgen pro Jahr rund acht Millionen Euro zusätzliches Honorar generieren.

Kassen zeigen sich teilweise großzügig

Noch großzügiger zeigen sich die Kassen zum Teil auf Landesebene. So ist derzeit zum Beispiel der Pädiatriezentrierte Vertrag der Kinderärzte mit der AOK Bayern besonders gut dotiert.

Wie lange dies allerdings noch der Fall sein wird, ist angesichts der Turbulenzen um Hausarztverträge mit der AOK Bayern fraglich.

AOK Nordost honoriert J 2 sogar mit 75 Euro

Andernorts, etwa bei der AOK Nordost, wird dagegen die eine oder andere Einzelleistung überdurchschnittlich bezahlt.

So honoriert die AOK Nordost die Jugendgesundheitsuntersuchung J 2 sogar mit 75 Euro. Das ist zweieinhalb Mal so viel wie eine Früherkennungsuntersuchung in der Regelversorgung.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Immer noch Vorsorge-Lücken

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