Pflege

Klima ist kühl, Problemdruck groß

Pflegekräfte sehen bisher wenig Fortschritte in ihrem Arbeitsalltag durch Spahn‘sche Reformen.

Veröffentlicht: 14.01.2020, 15:44 Uhr
Klima ist kühl, Problemdruck groß

Leichte Aufhellung: Laut einer Umfrage hat sich die die Stimmung in der Pflegebranche leicht aufgehellt. Aber: Pflegekräfte beschweren sich ebenfalls über die Arbeitsbedingungen.

© DOC RABE Media / stock.adobe.com

Berlin. Die Stimmung in der Pflegebranche hat sich 2019 leicht aufgehellt. Das geht aus dem „Care Klima Index 2019“ hervor, den das Umfrageinstitut Psychma in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Pflegetag erstellt hat. Für den Index sind 1536 Akteure, darunter professionell Pflegende, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, Haus- und Fachärzte sowie Kostenträger befragt worden.

Der aus verschiedenen Fragethemen ermittelte Index liegt für 2019 bei 97,3 Punkten und damit zwei Punkte höher als 2018. Allerdings bleibt der Index weiter unter seinem Ausgangswert von 100 Prozent im Jahr 2017. „Nur“ noch 82 Prozent der Pflegekräfte sind der Auffassung, die Pflege habe einen zu geringen Stellenwert in der Politik. Im Jahr 2017 glaubten das noch 91 Prozent der Befragten.

Allerdings sind 37 Prozent der professionell Pflegenden der Meinung, der Pflegealltag habe sich durch die gesetzlichen Reformen der vergangenen Jahre verschlechtert. 2018 vertraten noch 26 Prozent der Pflegekräfte diese Ansicht.

Schlechte Noten erhält in der Befragung die Versorgung von Pflegeheimbewohnern durch Fach- und Zahnärzte. 50 Prozent der Fach- und 46 Prozent der Zahnärzte werden in ihrer Versorgung vor Ort als schlecht beurteilt. Über Hausärzte fällen nur 17 Prozent der Befragten ein solches Urteil.

Die Arbeitsbedingungen werden von 56 Prozent als „schlecht“ beurteilt, vier Punkte weniger als noch 2018 (60 Prozent). Die chronisch zu hohe Arbeitsbelastung werde „durch die Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Stellen noch verschärft“, sagte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats, bei der Vorstellung der Umfrage am Dienstag in Berlin.

Was sagt der Pflegebeauftragte zu den Resultaten?

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, kommentierte die Zahlen mit den Worten, die vielen Gesetzesänderungen würden bisher „allenfalls von Insidern positiv wahrgenommen“. Nach seiner Darstellung überlagerten andere Probleme „bisher Erreichte“.

Hinzu komme, dass viele Neuregelungen erst 2020 in Kraft getreten sind – wie die Pflegebudgets in Krankenhäusern oder der Start der neue generalistischen Pflegeausbildung. Die Bundesregierung habe „den Weg freigemacht für flächendeckende Tarifverträge“ und kümmere sich um die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen. „Mehr kann ‚die Politik’ kaum für eine Branche tun“, sagte der Staatssekretär. Er sehe dem Care Klima-Index für die Jahre 2020/2021 daher „mit einer gewissen Vorfreude“ entgegen, so der Staatssekretär.

Nach Ansicht des Deutschen Pflegerats gleicht es einer „Bankrotterklärung“ für das Gesundheitssystem, dass 39 Prozent aller Befragten und 59 Prozent der Pflegefachpersonen die Qualität der pflegerischen Versorgung als nicht gesichert ansähen.

Bei der Frage nach wünschenswerten Innovationen in der Pflege sprachen sich 68 Prozent der Befragten für erweiterte pflegerische Kompetenzen aus. 62 Prozent befürworteten eine Entbürokratisierung durch Digitalisierung. Einzelne digitale Anwendungen wie die elektronische Patientenakte (45 Prozent) oder telemedizinische Anwendungen (26 Prozent) werden nur von einer Minderheit der Befragten angeführt. (fst)

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