Direkt zum Inhaltsbereich

Finanzkommission Gesundheit im Interview

Kommissions-Experten empfehlen Abkehr von der „arztzentrierten Honorierung“

Die Finanzkommission Gesundheit will ihre Strukturvorschläge am 18. Dezember vorlegen. Im Interview mit der Ärzte Zeitung kritisieren die Mitglieder Prof. Ferdinand Gerlach und Prof. Jonas Schreyögg das auf den Arzt zugeschnittene Honorarsystem.

Veröffentlicht:
Prof. Ferdinand Gerlach (li.) und Prof. Jonas Schreyögg beim Interview mit der Ärzte Zeitung in Berlin.

Prof. Ferdinand Gerlach (li.) und Prof. Jonas Schreyögg beim Interview mit der Ärzte Zeitung in Berlin.

© Rolf Schluten

Berlin. Die vom Bundesgesundheitsministerium beauftragte Finanzkommission Gesundheit (FKG) will ihre Vorschläge zu weitreichenden Strukturreformen im Gesundheitswesen voraussichtlich am 18. Dezember vorlegen. Diesen Termin für den 2. Kommissionsbericht kündigte Vorsitzender Prof. Ferdinand Gerlach gegenüber der Ärzte Zeitung an.

Ein Thema des mit Spannung erwarteten Folgeberichts der Kommission soll die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Primärversorgung sein. Ziel ist die bessere Steuerung und Reduzierung der im internationalen Vergleich überdurchschnittlich vielen Arzt-Patienten-Kontakte in Deutschland.

„Dogma der persönlichen Leistungserbringung“

Es könne nicht „bei ganz vielen unnötigen Kontakten bleiben“, sagte Gerlach im Interview mit der Ärzte Zeitung. „Wenn man so weitermacht wie bisher, laufen wir in einen (solchen) Mangel hinein“, so der Experte mit Blick auf die insgesamt abnehmende Arztarbeitszeit im Gesundheitswesen. „Das System kann daher nicht so arztzentriert bleiben wie bisher.“

Lesen sie auch

Auch Kommissionsmitglied Prof. Jonas Schreyögg verwies im Doppel-Interview mit der Ärzte Zeitung auf die Notwendigkeit, die Ärzte zu entlasten. Einen Hebel sehen beide Experten darin, von der arztzentrierten Honorierung wegzukommen. „Das Honorierungssystem ist zu stark auf den Arzt zugeschnitten. Es wäre zielführender, die Honorierung nicht nur an die Leistung des Arztes zu koppeln, sondern eher an das Team“, forderte Schreyögg.

Gerlach sprach von einem „Dogma der persönlichen Leistungserbringung durch den Vertragsarzt“. Das behindere im deutschen Gesundheitswesen, dass die Versorgung teamorientierter organisiert und auch abgerechnet werde.

DDR-Gemeindeschwester und Poliklinik als Vorbild

In diesem Zusammenhang verwiesen die Wissenschaftler darauf, dass in einem funktionierenden Primärversorgungssystem vor allem die Hausärzte den Großteil der Patienten fallabschließend behandeln müssten und nicht nur einfach zum Facharzt überweisen dürften. Insbesondere für ländliche Regionen fordern die Sachverständigen aber auch, in Primärversorgungszentren zu investieren.

Dort sollen dann auch andere Berufsgruppen im Team mitarbeiten und Patienten versorgen können. So ein Zentrum könnte auch von sogenannten nichtärztlichen Berufen wie etwa Physician Assistants geleitet werden. „Da sind wir regulatorisch noch in einer Grauzone“, gab Gerlach zu. Der Kommissionsvorsitzende verwies auf Vorbilder wie die früheren Gemeindeschwestern oder „Schwester Agnes“ in der ehemaligen DDR sowie auf Polikliniken. (af/gab)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Bundesamt für Soziale Sicherung

Kampf gegen Upcoding: Kassenaufsicht gelähmt von Bürokratie

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
In Deutschland gibt es immer weniger klinische Forschung. Was Deutschland hingegen zu leisten imstande ist, zeigte sich zuletzt bei der COVID-19-Pandemie: mRNA-basierte Impfstoffe wurden schnell entwickelt und produziert.

© metamorworks / stock.adobe.com

Handlungsempfehlungen

Deutschland-Tempo statt Bürokratie-Trägheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband forschender Pharma-Unternehmen (vfa)
Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

© metamorworks / Getty Images / iStock

Krebsmedizin auf neuen Wegen

Angepasste Endpunkte, moderne Studiendesigns und ungelöste Herausforderungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen

Lesetipps
Frau joggt durch einen Wald.

© lzf / Stock.adobe.com

Kleine konkrete Schritte

So lassen sich Patienten zu mehr Therapieadhärenz motivieren

Eine Frau liegt entspannt vor dem Meer in einer Hängematte.

© Peera_Sathawirawong / Getty Images / iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell(en))

Dritthäufigste Reiseerkrankung

Reisedermatosen: Wie vorgehen bei den drei häufigsten Tropenparasiten?