Brandenburg

Landesregierung sorgt sich um dauerkranke Beamte

Durchschnittlich 52,5 Tage ist ein Polizeibeamter in Brandenburg pro Jahr krank. Gegen den hohen Krankenstand in den Landesdienststellen nimmt die Landesregierung nun 2,8 Millionen Euro in die Hand.

Von Angela Misslbeck Veröffentlicht: 03.05.2019, 16:22 Uhr
Landesregierung sorgt sich um dauerkranke Beamte

Ein Job, der offensichtlich viele Beschäftigte krank werden lässt: Wärter in einer Haftanstalt.

© Rumpf, Stephan / Sueddeutsche

POTSDAM. Der hohe Krankenstand der Landesbeschäftigten in Brandenburg ist alarmierend. Das kritisieren die CDU-Landtagsabgeordneten Kristy Augustin, Steeven Bretz und Björn Lakenmacher in einer parlamentarischen Anfrage im Landtag.

In vielen Bereichen der Landesverwaltung stelle der hohe Krankenstand ein großes Problem dar. Die Abgeordneten führen ihn auf steigende Arbeitsbelastungen und eine Verdichtung von Arbeitsprozessen zurück. „Das Land Brandenburg trägt als Dienstherr für seine Beamtinnen, Beamten und Angestellten eine große Verantwortung, sodass der hohe Krankenstand als Alarmsignal verstanden werden muss“, heißt es in der Anfrage.

Die Landesregierung listet in ihrer Antwort detailliert die durchschnittlichen Krankentage der Beschäftigten in einzelnen Dienststellen der Landesbehörden auf. Einsamer Spitzenreiter sind demnach die Justizvollzugsanstalten mit durchschnittlich 50 bis 55 Krankentagen ihrer Beschäftigten in den Jahren 2014 bis 2017.

Weniger als 10 AU-Tage sind selten

Bei der Polizei waren Beschäftigte seit 2014 jedes Jahr durchschnittlich mehr als 35 Tage krank. In den meisten anderen Behörden waren Mitarbeiter im Schnitt mindestens 20 Tage krank gemeldet. Nur die wenigsten Landeseinrichtungen, etwa die Universität Potsdam, weisen weniger als zehn durchschnittliche Krankentage pro Jahr auf.

55 Tage sind in Haftanstalten beschäftigte Beamte in Brandenburg in den Jahren 2014 bis 2017 im Durchschnitt krank gewesen.

Viele Fachbereiche geben an, dass die Zahl der Langzeiterkrankten steigt. Beim Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sind die Krankentage nach einem sprunghaften Anstieg von 18 Tagen im Jahr 2014 auf gut 26 Tage 2015 inzwischen auf mehr als 32 Tage 2018 gestiegen.

Dabei ist angemerkt: „Als Hauptursache für den steigenden Krankenstand, trotz Einführung des betrieblichen Gesundheitsmanagements, wird die gestiegene Arbeitsverdichtung gesehen, die eine alternde Belegschaft nicht mehr verkraftet.“

Beratung und Befragungen

Nach Maßnahmen gefragt, verweist die Landesregierung auf ihr „Konzept zur Steigerung der Attraktivität des Öffentlichen Dienstes“. Es sieht unter anderem Analysen, Mitarbeiterbefragungen, Beratungsangebote, gesundheitsbezogene Veranstaltungen auch speziell für Führungskräfte und Maßnahmen für ein gesundes räumliches Arbeitsumfeld vor.

In einigen Dienststellen hat es bereits konkrete Veränderungen gegeben. So haben etwa Polizeibeamte seit Mitte 2018 unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine dreiwöchige Vorsorgekur.

Insgesamt 2,8 Millionen Euro zweckgebundene Mittel stehen für diese Maßnahmen im laufenden Jahr zur Verfügung. Das ist rund sechsmal so viel wie in den Jahren zuvor (2018: 443.000 Euro). Geplant ist zudem, dass eine zentrale Servicestelle eingerichtet wird, die verschiedene Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement koordiniert.

Sie soll Empfehlungen zur gesundheitsfördernden Gestaltung von Arbeitsplatz und Arbeitsumfeld geben und die Dienststellen bei der Umsetzung der Prozesse beraten. „Vor dem Hintergrund des hohen Durchschnittsalters der Beschäftigen und der weiter zunehmenden Arbeitsverdichtung in der Landesverwaltung bleibt abzuwarten, ob durch die bisherigen und neu einzuleitenden Maßnahmen zum Gesundheitsmanagement ein spürbarer Rückgang des Krankenstandes der Bediensteten erreicht wird“, so die Landesregierung.

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