AMNOG

Lücken in der Versorgung mit Innovationen

Bilanz nach sieben Jahren früher Nutzenbewertung: Von 171 neuen Arzneimitteln sind 27 mittlerweile wieder vom Markt verschwunden.

Veröffentlicht: 01.10.2018, 15:36 Uhr

BERLIN. Die frühe Nutzenbewertung, die 2011 mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführt wurde, hat sich als "Versorgungshürde" erwiesen. Von 171 Arznei-Innovationen mit abgeschlossener Nutzenbewertung seien nur noch rund 84 Prozent verfügbar, 27 Präparate seien hingegen wieder vom Markt verschwunden.

Zu diesem Ergebnis kommen die Gesundheitsökonomen Professor Dieter Cassel und Professor Volker Ulrich in ihrer Analyse "AMNOG-Daten 2018", die sie im Auftrag des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) erstellt haben.

Kritik am Verfahren

Doch das ist längst nicht der einzige Kritikpunkt nach nunmehr sieben Jahren AMNOG: Insgesamt 276 Verfahren zur frühen Nutzenbewertung, die bis Jahresende 2017 abgeschlossenen wurden, haben die Forscher in Augenschein genommen. In 84 Prozent der ausgewerteten Verfahren resultiere die Bewertung "kein Zusatznutzen" aus formalen Gründen wie Verfahrensmängeln, aus Sicht der Bewertungsinstitution unzureichenden Daten oder fehlenden Nachweisen. Hier könnte es zu einer falsch negativen Bewertung kommen, obwohl die Medikamente bereits im Zulassungsverfahren ihre indikationsspezifische Wirksamkeit und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis nachgewiesen hätten, moniert der BPI.

Die Forscher greifen auch die von den Kassen immer wieder eingebrachte Debatte um teure Innovationen und vor allem die "Kostentreiber" in der Onkologie auf. Tatsächlich sei der Umsatzanteil der Onkologika am GKV-Gesamtumsatz mit Arzneimitteln unter dem AMOG-Regime von 2013 bis 2015 nur moderat gestiegen und habe erst im vergangenen Jahr wieder deutlicher zugenommen, heißt es.

Dabei belief sich über alle Therapiegebiete hinweg die Preisdifferenz zwischen dem Einführungspreis einer Arznei-Innovation und dem ausgehandelten Erstattungsbetrag auf durchschnittlich 26 Prozent. Die größten Preisdifferenzen finden sich laut der Forscher wiederum bei den onkologischen Präparaten. Hier liege die Spanne zwischen 19 und 53 Prozent. (reh)

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