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Auswirkungen auf ambulante Versorgung

MEDI-Umfrage: Vertragsärzte warnen vor Folgen der Rotstift-Politik

Mehr als 1.700 Vertragsärzte und -psychotherapeuten hat der MEDI-Verbund zu den Konsequenzen des Beitragssatzstabilisierungs-Gesetzes befragt. Mehr Privatleistungen, weniger GKV-Termine und -Sprechstunden werden am häufigsten genannt. Dabei gebe es politische Alternativen.

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Das Foto zeigt einen gespitzten Rotstift mit Spitzer und Spänen.

Der MEDI-Verbund warnt auf Basis einer Umfrage vor den Konsequenzen der Sparpolitik der Bundesregierung für die ambulante Versorgung.

© stockphoto-graf / Stock.adobe.co

Berlin/Stuttgart. Das von der Koalition beschlossene GKV-Spargesetz wird die Versorgung „deutlich“ verschlechtern. Davon gehen 76 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage unter Vertragsärzten und -psychotherapeuten in Baden-Württemberg aus. Weitere 19 Prozent gehen „eher“ von Verschlechterungen aus.

Der MEDI-Verbund in Baden-Württemberg hat am Dienstag die Ergebnisse einer Online-Erhebung unter 1.782 Vertragsärzten und -psychotherapeuten vorgestellt, an der sich Verbandsangehörige und Nicht-Mitglieder beteiligen konnten. Fast zwei Drittel der Teilnehmer arbeiten in Einzelpraxen, weitere 29 Prozent sind in einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) tätig. Nur drei Prozent sind in einem MVZ beschäftigt.

46 Prozent der Befragten gaben an, „sehr stark“ von den Folgen des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes betroffen zu sein. Weitere 39 Prozent erwarten „starke“ Konsequenzen der Sparpolitik, die der Bundestag kurz vor der Sommerpause beschlossen hat. Nur ein Prozent der Vertragsärzte geht von keinerlei negativen Auswirkungen aus. Das Gesetz verordnet allen Akteuren eine sogenannte einnahmenorientierte Ausgabenpolitik der Krankenkassen und kürzt an vielen Stellen bisher extrabudgetäre Vergütungen.

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20 Prozent der Vertragsärzte gehen von einem Honorarverlust von bis zu 10.000 Euro im kommenden Jahr aus. 28 Prozent der Befragten beziffern die Mindereinnahmen auf 10.000 bis 20.0000 Euro. Weitere 40 Prozent der Teilnehmer befürchten Einbußen von 20.000 bis 40.000 Euro. Jeder Fünfte hält sogar Honorarverluste von mehr als 40.000 Euro für möglich.

Der niedergelassene Kardiologe und Vorsitzende von MEDI Baden-Württemberg, Dr. Norbert Smetak, bezeichnet die Umfrageergebnisse als „alarmierend“. Es werde zu einer deutlichen Reduzierung der Leistungen kommen, weil viele Praxen „wirtschaftlich erheblich unter Druck geraten werden“, so Smetak.

Mehr Selbstzahlerleistungen, weniger GKV-Termine

Gefragt nach möglichen Konsequenzen, geben 69 Prozent den Ausbau von Privat- und 66 Prozent den von Selbstzahlerleistungen als Option an. 61 Prozent der Umfrageteilnehmer werden nach eigenen Angaben weniger GKV-Termine anbieten, 53 Prozent erwägen, ihre Sprechstundenzeiten für Kassenpatienten zu reduzieren. Acht Prozent der Antwortenden halten die Teilnahme an einem Korbmodell für möglich. Dabei handelt es sich um eine kollektive Rückgabe der Zulassungen von Vertragsärzten in einer Region.

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Die Honorarstreichungen befördern nach Ansicht von Dr. Michael Eckstein, stellvertretender MEDI-Vorsitzender, eine „Zweiklassenmedizin“: „Diese Entwicklung finden wir sehr problematisch und sie ist nicht in unserem Sinne.“

Er verwies zudem darauf, dass 15 Prozent der Teilnehmer nach eigenen Angaben die Aufgabe ihrer Niederlassung in Erwägung ziehen. 55 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte im Südwesten sind 55 Jahre oder älter. Bei allen anderen Fachgruppen ist jeder Zweite älter 55 Jahre. 33 Prozent spielen mit dem Gedanken einer früheren Praxisabgabe.

Es gebe Alternativen zu diesem reinen Spargesetz, stellte MEDI-Chef Smetak klar. Ein Ausweg bestehe in einer verstärkten Ambulantisierung, Stichwort Hybrid-DRG. Der Kardiologe verwies zudem auf die in Baden-Württemberg seit Jahren etablierten Haus- und Facharztverträge, insbesondere mit der AOK. Diese ermöglichten eine effektive Steuerung und bessere Versorgung der Patienten – und zwar ohne Ausgabenerhöhungen. Das sei der Appell von MEDI an die Politik: „Schaut euch dieses Modell an!“ (fst)

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