Corona-Krise in Spanien

Madrid trudelt Lockdown entgegen

Angesichts weiter steigender Infektionszahlen streiten die spanische Zentralregierung und die Regionalpräsidentin in Madrid über den richtigen Weg der Pandemie-Bekämpfung.

Von Manuel Meyer Veröffentlicht:
Sieht sich heftigen Attacken der Zentralregierung ausgesetzt, die härtere Maßnahmen angesichts steigender Infektionszahlen fordert: Madrids Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso.

Sieht sich heftigen Attacken der Zentralregierung ausgesetzt, die härtere Maßnahmen angesichts steigender Infektionszahlen fordert: Madrids Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso.

© J. Hellín/Pool/EUROPA PRESS/dpa

Madrid. Bei COVID-Neuinfektionszahlen von über 500 pro 100.000 Einwohner hat die Madrider Regionalregierung am Montag die Ausgangssperren und Bewegungseinschränkungen auf weitere Bezirke und Vorstädte ausgeweitet.

Von den neuen Maßnahmen sind nun über eine Million Menschen betroffen. Zudem forderte die Region 150 Soldaten zur Unterstützung bei der Kontaktrückverfolgung an, um die sich in der spanischen Hauptstadtregion rasant ausbreitende Epidemie unter Kontrolle zu bekommen.

Lockdown für die gesamte Region?

Der spanischen Regierung gehen diese Maßnahmen aber nicht weit genug. Am Sonntag gab Gesundheitsminister Salvador Illa der Madrider Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso eine Art Ultimatum, endlich auf die Gesundheitsexperten zu hören und die gesamte Region in den Lockdown zu nehmen. „Es besteht ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für die Madrider Bevölkerung“, sagte Gesundheitsminister Illa.

Rückendeckung bekommt Illa auch von vielen Gesundheitsexperten. Es gebe kein solides epidemiologisches Fundament und die Maßnahmen der Madrider Regionalregierung seien „unverantwortlich im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit und werden Leiden bereiten sowie Leben kosten“, resümiert der frühere Krisendirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Daniel Lopez Acuna, die Meinung vieler spanischer Gesundheitsexperten.

Madrids konservative Regionalpräsidentin Isabel Diaz Ayuso ging nicht auf die Warnung von Gesundheitsminister Illa ein, die COVID-Bekämpfung in Madrid notfalls selber zu übernehmen. Am Sonntagabend stellte sie in einem Fernsehinterview klar, ein Lockdown für ganz Madrid komme aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage. Er würde den Ruin für viele Menschen bedeuten. „Madrid kann nicht wieder stillstehen. Wir müssen wirtschaftliche und gesundheitspolitische Faktoren bei der COVID-Strategie bedenken“, sagte Ayuso im TV-Sender „Antena 3“.

Streik in Klinik wurde abgewendet

In den nächsten Tagen will die spanische Regierung entscheiden, ob sie in der Hauptstadtregion mit 6,5 Millionen Einwohnern interveniert. Aufgrund der politischen Streitigkeiten zwischen der konservativen Regionalregierung und der sozialistischen Zentralregierung trat am Samstag bereits Emilio Bouza als Sprecher der COVID-Expertengruppe Madrids zurück.

Unterdessen nimmt der Druck durch wachsende Erkrankungszahlen in Madrids Krankenhäusern stetig zu. In letzter Minute konnte am Sonntag ein für den Montag geplanter Ärztestreik verhindert werden. Die Ärzteschaft beklagt, dass nach der ersten Corona-Welle immer noch keine besseren Vorgehensweisen und Abläufe erarbeitet und auch die Zahl der Ärzte nicht erhöht wurde, wie es von der Regionalregierung ursprünglich versprochen worden war.

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