Direkt zum Inhaltsbereich

Häusliche Gewalt

Männer gehen öfter in die Gewaltambulanz

Die Arbeit für die Gewaltschutzambulanz der Charité steigt mit jedem Jahr. Zunehmend vermitteln auch immer mehr Ärzte das Angebot weiter und schicken Gewaltopfer in die Ambulanz.

Julia FrischVon Julia Frisch Veröffentlicht:
Verprügelt vom Partner. Die meisten Schutzsuchenden der Berliner Spezialambulanz sind Opfer häuslicher Gewalt.

Verprügelt vom Partner. Die meisten Schutzsuchenden der Berliner Spezialambulanz sind Opfer häuslicher Gewalt.

© Miriam Dörr / Fotolia

BERLIN. Dass in Berlin offenbar Bedarf für eine Einrichtung wie die Gewaltschutzambulanz besteht, zeigt die Statistik der vergangenen vier Jahre: 2014, als im Februar das Angebot der Charité gestartet wurde, wurden 307 Fallkontakte registriert.

Im vergangenen Jahr waren es rund 1250. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag bei über 40 Prozent. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine schriftliche Anfrage der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hervor.

Von den über 1000 Personen, die sich im vergangenen Jahr an die Gewaltschutzambulanz wandten, erhielten 675 dort einen Termin, weil sie äußerlich sichtbare Verletzungen hatten. Die übrigen Hilfesuchenden ohne erkennbare Verletzungen wurden an andere Ansprechpartner weitervermittelt.

Das steigende Arbeitsaufkommen hat dazu geführt, dass das Personal in der Ambulanz aufgestockt wurde. Bei der Gründung arbeiteten 1,2 "Vollzeitäquivalente" (VZÄ) Ärzte und ebenso viele VZÄ im Sekretariat. Die Arztstellen wurden inzwischen auf sechs VZÄ erhöht, hinzukommen drei VZÄ im Care Management und 0,9 VZÄ im Bereich der Zuwendungsverwaltung.

Das wurde möglich, weil das Land die Förderung in den vergangenen Jahren ausgeweitet hat. In den ersten beiden Jahren erhielt die Gewaltschutzambulanz pro Jahr 150.000 Euro Fördergelder, für 2018 und 2019 sind jährlich fast eine Million Euro vorgesehen. Zudem finanziert die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung eine Vollzeitstelle bei dem Verein Opferhilfe, so dass dieser seit Februar in der Lage ist, eine permanente Inhouse-Beratung in der Gewaltschutzambulanz anzubieten.

Drei Viertel sind Frauen

Die meisten Personen, welche die Gewaltschutzambulanz aufsuchen, sind volljährig (83 Prozent) und weiblich. Der Anteil der Frauen nahm in den vergangenen Jahren von 88 auf 76 Prozent ab. Dafür stieg der Anteil der Männer von zwölf auf 24 Prozent (2017). Die meisten Hilfesuchenden sind Opfer häuslicher Gewalt oder von Personen aus dem Umfeld.

Während die meisten Zuweisungen an die Charité-Ambulanz nach wie vor durch die Polizei erfolgen (34 Prozent), vermitteln nun auch immer mehr Arztpraxen und Kliniken Patienten an die Einrichtung. 14 Prozent der Fälle kamen 2014 aus Praxen oder Krankenhäusern, 2017 waren es bereits 28 Prozent. Kliniken und Praxen liegen damit hinter der Polizei nun auf Platz zwei der Zuweiser.

In der Gewaltschutzambulanz haben Gewaltopfer die Möglichkeit, eine rechtsmedizinische Begutachtung von sichtbaren Verletzungen vornehmen zu lassen und eine gerichtsfeste Dokumentation darüber zu erhalten, ohne die Polizei einschalten zu müssen. Ferner vermittelt die Ambulanz Hilfsangebote für die Betroffenen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Potenzielle Über- und Untertherapie

Medikation des Typ-2-Diabetes wird im Alter zu selten angepasst

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Protest vor dem Bundestag: Die Aktionsgruppe „NichtGenesen“ positionierte im Juli auf dem Gelände vor dem Reichstagsgebäude Rollstühle und machte darauf aufmerksam, dass es in Deutschland über drei Millionen Menschen gebe, dievon einem Post-COVID-Syndrom oder Post-Vac betroffen sind.

© picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Symposium in Berlin

Post-COVID: Das Rätsel für Ärzte und Forscher

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: vfa und Paul-Martini-Stiftung

Kampf dem Zervixkarzinom

Ärzte sind sich einig: eine Impfung schützt!

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
600 Menschen pro Tag sterben in Deutschland an Krebs. Der Vision Zero e.V. möchte dazu beitragen, dass vermeidbare, krebsbedingte Todesfälle verhindert werden.

© IRStone / stock.adobe.com

Porträt

Vision Zero: Vereint gegen Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vision Zero e.V.
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Lesetipps
Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert

Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen