Masern

Mecklenburg-Vorpommern fährt beim Impfen harten Kurs

Die Regierung erwägt Impfpflicht gegen Masern auf Landesebene – und bekommt Beifall von den Linken in der Opposition.

Veröffentlicht: 24.05.2019, 16:48 Uhr

SCHWERIN. Mecklenburg-Vorpommern erwägt, noch vor der Einführung einer bundesweiten Impfpflicht eigene Maßnahmen zu ergreifen.

Landesgesundheitsminister Harry Glawe (CDU) kündigte im Schweriner Landtag eine Prüfung der Frage an, „ob in Mecklenburg-Vorpommern die Einführung einer Impfpflicht gegen Masern in Kindertagesstätten sinnvoll wäre, oder ob die wenigen vorhandenen Impflücken im Land durch andere Maßnahmen geschlossen werden können“.

Die Aufnahme einer Impfpflicht in das Kindertagesförderungsgesetz müsste durch das Sozialministerium von Glawes Kabinettskollegin Stefanie Drese (SPD) geprüft werden.

Glawe ließ erkennen, dass er trotz der vergleichsweise guten Impfraten im Nordosten – bei Schulanfängern wird bei der zweiten Masernimpfung die Quote von 95 Prozent erreicht – weitere Anstrengungen für erforderlich hält.

Glawe will erreichen, dass über die 2018 gestartete Kampagne „MV impft – Gemeinsam Verantwortung übernehmen“ das Bewusstsein für das Thema geschärft wird. Über digitale Medien zielt die zunächst auf zwei Jahre angelegte Kampagne insbesondere auf jüngere Menschen.

Unterstützung erhält die Landesregierung für ihren Vorstoß durch die Linke. Die Oppositionspartei hatte sich ebenfalls für eine Impfpflicht ausgesprochen – allerdings nicht nur gegen Masern. Und: Eine Impfpflicht allein wird nach Ansicht von Gesundheitsexperte Torsten Koplin nicht ausreichen.

„Impfgegner werden sich entweder mittels eines ärztlichen Attests oder mittels des Freikaufens, also der Zahlung der von Minister Spahn angedrohten Strafe in Höhe von 2500 Euro, der Pflicht zu entziehen versuchen“, warnte Koplin.

Er hält es für erforderlich, verstärkt auf Aufklärung und auf die Autorität von Ärzten in dieser Frage zu setzen. Koplin verwies auf Untersuchungen, wonach die Impfberatung durch Ärzte erheblich dazu beitragen kann, die Standpunkte von Impfgegnern aufzuweichen.

Zudem muss es nach Ansicht des Linken-Abgeordneten eine flächendeckende Information darüber geben, wann sich Menschen wo impfen lassen sollten. Auf Ablehnung stößt bei Koplin dagegen der Vorschlag, nicht geimpften Kindern den Schul- oder Kitabesuch zu verweigern. (di)

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