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Antibiotika

Mehr Kontrolle bei Milchkühen!

80 Prozent der Milchkühe erhalten Antibiotika, jede zehnte Behandlung sogar mit Reserveantibiotika. Nun hagelt es Kritik für die Politik.

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BERLIN. Der Einsatz von Antibiotika bei Milchkühen wird aus Sicht der Umweltorganisation Germanwatch unzureichend überwacht. Bislang müssten nur Fleischerzeuger dokumentieren, wie häufig sie Antibiotika einsetzen, sagte die Germanwatch-Agrarexpertin Reinhild Benning am Montag.

Nach ihren Recherchen erhalten Kühe pro Jahr 1,5 bis 3,3 Mal Antibiotika. "Das sind besorgniserregende Werte, die wachrütteln sollten", so Benning.

Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigen, dass rund 80 Prozent der Milchkühe in Deutschland Antibiotika vor der Geburt des jeweils nächsten Kalbes erhalten. Jede zehnte Behandlung erfolgt sogar mit Reserveantibiotika.

Von der Milch selbst gehe aufgrund des Einsatzes in direkter Folge zwar kein gesundheitliches Risiko aus, "besorgniserregend" sei jedoch, dass die Entwicklung resistenter Keime begünstigt werde. Ursache des Problems sei, dass Bauern aus wirtschaftlichem Druck mehr Tiere als früher halten und ihnen mehr Leistung abverlangen müssten.

Systemwechsel in Tierhaltung gefordert

Germanwatch fordert von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) deshalb einen Systemwechsel in der Tierhaltung, damit Antibiotika nicht mehr systematisch, sondern allenfalls in Einzelfällen gebraucht werden.

Zudem müsse der Minister zügig die Forderungen des Bundesrates nach sehr strengen Regeln gegen unkontrollierten Einsatz und Missbrauch von Reserveantibiotika im Stall umsetzen.

Erst in der Vorwoche war bekannt geworden, dass auch hierzulande eine neuartige Resistenz gegen das wichtige Notfall-Antibiotikum Colistin nachgewiesen wurde.

Der Nutztierexperte der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (GGTM), Tierarzt Dr. Andreas Striezel, kritisiert: "Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat seit Monaten versäumt, wirkungsvolle Maßnahmen gegen den zu hohen und zum Teil steigenden Einsatz von Reserveantibiotika zu ergreifen."

Das bisherige Erfassungssystem in der Antibiotika-Datenbank sei nicht ausreichend, da die Meldungen über Antibiotikaeinsätze unvollständig seien und Milchkühe sowie viele andere Tiergruppen nicht erfasst würden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte im November 2015 hingegen eine Erhebung veröffentlicht, die positive Tendenzen in der Nutztierhaltung insgesamt ausweist: Dem Forschungsprojekt zufolge wurden etwa Mastschweinen in den vergangenen Jahren deutlich weniger Antibiotika gegeben. (jk)

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