Berufspolitik

Mit dem "Sanierungs-Kit" gegen MRSA-Keime

Kliniken im Nordwesten statten Patienten nach dem Krankenhausaufenthalt mit speziellen Waschlotionen aus, um einer MRSA-Besiedelung vorzubeugen.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht: 15.06.2011, 18:50 Uhr
MRSA im Visier: In Niedersachsen gibt es jetzt ein Patienten-Kit für den Kampf gegen die Keime.

MRSA im Visier: In Niedersachsen gibt es jetzt ein Patienten-Kit für den Kampf gegen die Keime.

© ggw / fotolia.com

HANNOVER / OLDENBURG. Patienten mit MRSA sollen sich in Niedersachsen selber helfen. Patienten, die nach einem Krankenhausaufenthalt im Rahmen des EU-Projektes EurSafety Health-net im Norden Niedersachsens positiv auf MRSA getestet wurden, erhalten von den Gesundheitsämtern ein "Sanierungs-Kit".

Das Paket besteht aus speziellen Waschlotionen und einer Nasen-Salbe, sagt der Leiter des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes Dr. Matthias Pulz zur "Ärzte Zeitung".

Das Sanierungs-Kit dient als Notbehelf. In der Woche vom 23. bis zum 27. Mai haben 33 Krankenhäuser in den Niedersächsischen Landkreisen Ems/ Dollart, Oldenburg, Wilhelmshaven, Vechta und Wesermarsch ein für die stationären Patienten freiwilliges Eingangsscreening auf MRSA-Befall angeboten.

Bei positiv gestesteten Patienten, deren Sanierung "erst nach der Klinik-Entlassung sinnvoll ist", so Pulz, "stehen wir vor dem Kostenproblem."

Denn weil die niedergelassenen Ärzte für die MRSA-Sanierung ihrer Patienten kein Honorar erhalten, gibt es auch keine Behandlung. "Auch wenn wir nur mit wenigen Betroffenen rechnen, wollen wir sie nun nicht im Regen stehen lassen und bieten ihnen deshalb das Sanierungs-Kit", sagt Pulz. Die Nachkontrollen werden ebenfalls über die Gesundheitsämter angeboten. Die Hausärzte der betroffenen Patienten werden informiert.

Ende Juni sollen die ersten Ergebnisse vorliegen. Pulz rechnet mit rund 5000 Abstrichen. "In drei Wochen werden wir sehen, ob sich der Richtwert von drei MRSA-Betroffenen auf 100 Patienten bestätigt oder nicht", sagt Pulz. Das Eingangsscreening soll darüber hinaus zeigen, ob sich die vom RKI angegebenen Risiko-Gruppen bestätigen und welche Arten von MRSA auftreten.

Schließlich soll das Projekt den Krankenhäusern ermöglichen, das euregionale MRSA-Qualitätssiegel zu erwerben, das auch von den holländischen Kliniken akzeptiert wird.

Dort werden derzeit noch alle Patienten, die aus Deutschland kommen, auf MRSA gescreent, so Pulz. "Mit dem Projekt in Niedersachsen wollen wir eine Gleichrangigkeit mit Holland erreichen." Die Kosten für das Projekt tragen die Länder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und die Euregio.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Jan Geldmacher

Es geht nicht ums Honorar

Die Sanierung von MRSA Trägern scheitert nicht am Honorar. Die niedergelassenen Kollegen sind es gewohnt, zahlreiche Leistungen ohne Honorierung zu erbringen. Das Problem ist, dass von den lt. RKI-Richtlinien benötigten Mittel nur die Nasensalbe von der Kasse bezahlt wird. Waschlotionen und Mundspülflüssigkeiten aber nicht. Diese nicht geringen Kosten müssen die Patienten selbst tragen! Eine Kostenregelung die nicht zu Lasten der Patienten oder Ärzte geht ist dringend erforderlich


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