Haftpflicht

Montgomery will Entlastung auch für Frauenärzte

Hohe Haftpflicht-Prämien belasten nicht nur Hebammen, sondern auch Gynäkologen. Deshalb will BÄK-Chef Montgomery jetzt auch eine finanzielle Hilfe für Frauenärzte - so wie Gröhe es für die Hebammen angekündigt hat. Doch die Chancen sind gering.

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BÄK-Chef Professor Frank Ulrich Montgomery setzt sich für die Gynäkologen ein.

BÄK-Chef Professor Frank Ulrich Montgomery setzt sich für die Gynäkologen ein.

© Stephanie Pilick

BERLIN. Nicht nur für Hebammen, auch für niedergelassene Ärzte und Kliniken werden die Haftpflichtprämien zu einem spürbaren betriebswirtschaftlichen Faktor.

Zwischen 20.000 und 40.000 Euro im Jahr an Prämien (je nach Alter des Vertrags) bezahlten niedergelassene Gynäkologen für ihre Haftpflichtversicherung, sagte eine Ärztin am Montag der "Ärzte Zeitung".

In den vergangenen drei Jahren habe sich die Höhe der Prämien mancher Versicherer mehr als verdoppelt, bestätigte der Präsident der Bundesärztekammer, Professor Frank Ulrich Montgomery.

Auch die Kliniken haben mit dem Anstieg der Prämien zu kämpfen. Rund 400.000 Euro im Jahr seien für die Haftpflichtversicherung für eine Klinik fähig, ließ ein Betreiber mehrerer Häuser in Deutschland die "Ärzte Zeitung" wissen.

Von 2013 auf 2014 seien die Policen 20 Prozent teurer geworden. "Immer mehr Ärzte und Kliniken werden dadurch zum Rückzug aus der geburtsmedizinischen Versorgung gezwungen", warnt Montgomery.

Versicherungssteuer runter, fordert Montgomery

Vor allem die Frauenärzte haben mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die freiberuflichen Hebammen bei der Haftpflichtversicherung per Gesetz finanziell entlasten will.

Auch bei den Hebammen sind die Haftpflichtprämien in den vergangenen Jahren steil angestiegen, auf mehr als 5000 Euro im Jahr.

Allerdings sind die Krankenkassen verpflichtet, die Verteuerung in der Vergütung der Hebammen aufzufangen, was allerdings nur Geburtshelferinnen mit vielen Einsätzen hilft.

Auf dem Land, wo eine Hebamme nur wenige Kinder zu Hause oder in einem Geburtshaus zur Welt bringt, reichen die Zuschläge hinten und vorne nicht. Deshalb plant der Minister einen Regressverzicht für die Kranken- und Pflegekassen, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

Das hat Begehrlichkeiten geweckt. Montgomery setzt sich nun für dauerhafte Lösungen auch bei den niedergelassenen Gynäkologen und den geburtsmedizinischen Abteilungen der Krankenhäuser ein. Das Gesundheitsministerium macht den Ärzten jedoch wenig Hoffnungen.

"Das Hebammenwesen ist ein Sonderfall", sagte eine Sprecherin. Bei den Hebammen gehe es um wenige, aber sehr teure Schadensfälle. Fehler bei der Geburtshilfe können sich für die betroffenen Kinder ihr Leben lang auswirken und sie von fremder Hilfe abhängig machen.

Schon der Ärztetag 2013 hatte die Forderung nach Entlastung der Ärzte bei den Versicherungsprämien erhoben. Die Versicherungssteuer für die ärztliche Haftpflicht solle von 19 auf elf Prozent zu senken. Dies würde die Ärzte um rund 80 Millionen Euro im Jahr entlasten.

"Das sollte uns eine flächendeckende geburtsmedizinische Versorgung wert sein", sagt Montgomery.

Klagefreudigkeit der Deutschen lässt Prämien explodieren

Die niedergelassenen Gynäkologen beklagen ein krasses Missverhältnis zwischen der Höhe der Prämien und der durchschnittlichen Vergütung. Kaum ein Frauenarzt schaffe es noch, bei einem Honorar von 200 Euro je Baby Kinder kostendeckend auf die Welt zu bringen, hieß es am Montag.

Grund für die anschwellenden Haftpflichtprämien sei die wachsende Klagefreudigkeit der Patienten, berichteten zudem Vertreter von Kliniken.

Häufig träten auch die Krankenkassen mit Forderungen nach einer Entbindung der Ärzte von der Schweigepflicht an die Kliniken heran, um Behandlungsfehler aufzudecken und dann Folgekosten abzuwälzen. (af)

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