Intensivmedizin

Nephrologen wollen Streit lösen

Groß war die Aufregung der Intensivmediziner über eine Zertifizierungsidee der Nephrologen. Die suchen jetzt erneut den Dialog zu ihren Kollegen. Denn eigentlich wolle man dasselbe.

Veröffentlicht:

Lüdenscheid. Die Nephrologen wollen im Streit um die Zertifizierung von Intensivstationen „in den Dialog treten“. Das sagte Professor Jan Galle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) am Donnerstag der „Ärzte Zeitung“.

Die Fachgesellschaft will ihre geplante Zertifizierung zunächst aussetzen. Noch in den kommenden Tagen werde man sich an die intensivmedizinischen Fachgesellschaften wenden.

Zuvor hatte die DGfN gefordert, dass bei jedem akuten Nierenversagen auf Intensivstationen Nephrologen hinzugezogen werden sollten und damit den Zorn der Intensivmediziner auf sich gezogen.

Die Fachgesellschaften DIVI, DGAI und DGIIN hatten dies als „unrealistische Maximalforderung“ kritisiert, die „an der Realität des klinischen Alltags vorbeigeht“. Weder gebe es für alle intensivmedizinischen Abteilungen genügend Nephrologen, noch seien Intensivmediziner ungenügend qualifiziert für die akute Therapie eines Nierenversagens.

Vielmehr sei etwa die Nierenersatztherapie Bestandteil ihrer Weiterbildung. Auch sei die Intensivmedizin ein „ganzheitliches Behandlungskonzept“, dass Patienten nicht „auf ein Organ“ reduziere.

Nur wenige Kliniken betroffen

„Wir haben uns wohl im Vorfeld zu wenig erklärt.“, sagte Präsident Galle. Die zunächst ausgesetzte Zertifizierung sollte es laut Galle ohnehin nur für Schwerpunktkliniken geben, die schon heute rund um die Uhr Nephrologen vorhalten.

Nach Galles Worten geht es den Nephrologen vor allem um eine Konsiliartätigkeit für die intensivmedizinischen Kollegen.

Streitpunkt zwischen Nephrologen und Intensivmediziner war auch der Nutzen für den Patienten. So argumentiert die DGfN, ein frühes Hinzuziehen nephrologischer Internisten bei akutem Nierenversagen könne die Mortalität bei diesen Patienten reduzieren.

So hat 2006 eine Metaanalyse über sechs Studien gezeigt, dass eine verspätete Konsultation mit einer höheren Sterblichkeit assoziiert sein kann. Allerdings war der Schwankungsbereich der Odds-Ratio mit 0,48 bis 1,10 sehr groß (Blood Purif 2017; 43: 57–67).

Die Intensivmediziner hatten unter anderem dieser Auswertung denn auch methodische Mängel vorgehalten.

„Im Prinzip haben wir alle das gleiche Ziel, und zwar die Versorgung der Patienten mit akutem Nierenversagen zu verbessern“, sagte Galle. „In ihrer Pressemeldung haben DIVI, DGIIN und DGAI erklärt, langfristig eine Qualitätssteigerung durch Kooperation erreichen zu wollen. Wir möchten mit unseren intensivmedizinischen Kolleginnen und Kollegen nun in einen konstruktiven Dialog treten.“ (nös)

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Kommentare
Dr. Raeder 14.11.201915:24 Uhr

Beim Kardiorenalsyndrom ist eine nephrologische Mitbehandlung überflüssig. Die GFR ist proportional zum HZV. Wenn die Kardiologen das HZV normalisieren, dann normalisiert sich auch die GFR.

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