Arzneimittelpolitik

Neue Arzneien: AOK-Chef fordert vierte Hürde

BERLIN (hom). Angesichts steigender Arzneimittelkosten hat der Chef des AOK-Bundesverbandes, Dr. Herbert Reichelt, die rasche Einführung einer sogenannten vierten Hürde für die Zulassung neuer Medikamente gefordert.

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Neben den bislang geltenden Zulassungskritierien Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sollten Arzneimittelhersteller künftig auch den Nachweis führen, ob ein von ihnen entwickeltes neues Medikament einen therapeutischen Zusatznutzen habe, sagte Reichelt bei der Vorstellung des Arzneiverordnungs-Reports 2009 in Berlin. "Wir müssen Lösungen finden - und eine erste Kosten-Nutzen-Bewertung bereits zum Zeitpunkt der Marktzulassung ist ein wichtiger Schritt zu dieser Lösung." Aufbauend auf eine Kosten-Nutzen-Bewertung könnten dann Höchstpreise festgelegt werden, die von den Kassen für ein neues Präparat gezahlt werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern dürften Pharmahersteller in Deutschland ihre Preise für neue Medikamente noch immer ohne jegliche Regulierung "frei erfinden", kritisierte Reichelt.

Laut Arzneireport sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel 2008 um 5,3 Prozent auf 29,2 Milliarden Euro gestiegen. Ursächlich für den Ausgabenanstieg seien vor allem "wenige kostenintensive Arzneimittelgruppen", wie etwa Antidiabetika, Immuntherapeutika und Tumortherapeutika, betonte der Mitherausgeber des Reports, der Pharmakologe Professor Ulrich Schwabe.

Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer, erteilte der Forderung nach einer zentralen Preisfestsetzung für neue Arzneimittel eine klare Absage. "Damit treten wir nur den endgültigen Marsch in die Rationierung an", sagte Yzer. Mit dezentralen Verhandlungen zwischen Industrie und Krankenkassen ließen sich die Arzneimittelausgaben besser "unter Kontrolle halten".

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