Berufspolitik

Neue Chance für Medical School in Kassel?

Kommunalpolitiker haben den Plan für eine private Medizinerausbildung noch nicht aufgegeben.

Von Katja Schmidt Veröffentlicht:

KASSEL. Wer den Zugang zu den Medizinstudenten hat, hat auch bei der Besetzung von Ärztestellen die Nase vorn. So rechnen viele Krankenhausunternehmen und versuchen bei der Ärzte-Ausbildung immer früher einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Am aktivsten zeigen sich dabei die privaten Klinikbetreiber. Doch mit der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) hatte im vorigen Jahr auch ein großer kommunaler Konzern einen Einstieg ins Medizin-Studium angepeilt. In Zusammenarbeit mit der University of Southampton hatte die GNH ein deutsch-englisches Studium anbieten wollen.

Die ersten zwei von fünf Studienjahren sollten die angehenden Mediziner in Southampton absolvieren, die höheren Semester dann am Klinikum Kassel. Geplant sei ein Angebot für 24 Studierende pro Jahr, berichtete die örtliche Presse, die jährlichen Studiengebühren sollten bei rund 12 000 Euro liegen.

Doch aus dem für September 2010 geplanten Start der "Kassel School of Medicine" wurde nichts. Im Sommer blies die GNH ihr Engagement dafür ab. Es habe sich keine Mehrheit im Aufsichtsrat gefunden, hieß es. Vorstandschef Gerhard Sontheimer bedauerte, eine "einmalige Chance" werde vertan.

Zumindest das Kasseler Stadtparlament scheint die Sache aber noch nicht komplett verloren zu geben. Zwar wollte die Linksfraktion dort kürzlich den GNH-Aufsichtsrat und den Vorstand auffordern lassen, "jedwede Initiative" für eine solche gebührenpflichtige Ausbildungsstätte einzustellen, für die im Anlauf ein Zuschussbedarf von rund vier Millionen Euro erwartet wird. Ihr Antrag aber stieß auf breite Ablehnung.

Vor der Abstimmung beharkten sich nicht nur Linke und Fans der Medical School. Vielmehr warf die Abgeordnete Eva Kühne-Hörmann (CDU) den Verantwortlichen des Klinikums Untätigkeit im Ringen um Medizinernachwuchs vor: "Das Problem wird mit jedem Tag, an dem nichts passiert, schlimmer."

Kühne-Hörmann allerdings ist nicht nur Kommunalpolitikerin, sondern als Hessische Wissenschaftsministerin auch auf höchster Ebene mit Fragen des Medizinstudiums befasst. Zudem gehört sie selbst dem GNH-Aufsichtsrats an - ließ sich dort aber nach Auskunft anderer Mitglieder in den letzten eineinhalb Jahren äußerst selten oder auch nie blicken.

Entsprechend süffisant konterte der Aufsichtsratschef, Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD), ihre Vorwürfe mit einer Einladung zur Sitzung am 16. Februar.

Dann soll das Gremium entscheiden, ob Sontheimer und Co. wieder über eine Medical School verhandeln sollen. Ist Southampton noch interessiert? Dazu habe der GNH-Vorstand "keine Erkenntnisse", hieß es am Freitag in der Pressestelle.

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