Innovationsfonds

Neue Runde setzt auf Sozialleistungsträger

Veröffentlicht: 20.07.2017, 05:15 Uhr

Der Innovationsfonds will über das Kassensystem hinaus wachsen: Die nächste Ausschreibung soll gemeinsame Vorhaben mit Trägern der Rehabilitation, der Renten- und Pflege- versicherung stärken.

Von Susanne Werner

BERLIN. Sektorenübergreifende Vorhaben werden der Schwerpunkt in der nächsten Förderbekanntmachung durch den Innovationsfonds sein. Gefragt sind in der entsprechenden themenspezifischen Ausschreibung dann Versorgungsprojekte und Forschungsvorhaben, an denen sich auch Träger der Rehabilitation, der Renten- und Pflegeversicherung beteiligen. Dies kündigte Dr. Christian Igel, Geschäftsführer Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA), bei einer Tagung des Bundesverbandes Managed Care (BMC) in Berlin an.

Igel zog eine positive Bilanz zur bisherigen Arbeit des Innovationsfonds. Mit einem jährlichen Budget von 300 Millionen Euro, das von Krankenkassen und Gesundheitsfonds kommt, werden aktuell 117 Projekte gefördert. Weitere 228 Anträge sind derzeit im Bewertungsverfahren.

Als Geschäftsführer habe er darauf zu achten, dass das Vorhaben "aussagekräftig und rund" beschrieben ist. Zuweilen müssten dazu weitere Unterlagen eingefordert werden. Dies sei keineswegs ein rein bürokratisches Vorgehen, sondern nötig, um die Rechtsgrundlagen des Vorhabens zu sichern. Igel betonte, dass auch in der nächsten Förderwelle im Herbst die Mittel nur für die Leistungen nach SGB V bereitstehen. Wenn sich weitere Sozialversicherungsträger beteiligen, müssten sie "ihr Schärflein" zum Fördertopf beitragen.

Dr. Susanne Klein, Leiterin Versorgungsangebote und Innovation bei der Techniker Krankenkasse, begrüßte die angekündigte systemübergreifende Ausrichtung der nächsten Förderwelle. Die TK kooperiere in der ambulanten psychischen Versorgung bereits mit anderen Sozialleistungsträgern wie etwa der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe. Um hier gut voranzukommen, sei es wichtig, sich inhaltlich am Bedarf in einer Region zu orientieren und "willige Player" an einen Tisch zusammenzuführen. Das aktuelle Vergabeverfahren beim Innovationsfonds sieht sie in Teilen kritisch: "Etwas weniger Bürokratie wäre hilfreich." Aktuell folgten nach einer grundsätzlichen Zusage häufig Auflagen, die unmittelbar zu bearbeiten seien und die Projektträger unnötig unter Zeitdruck setzten. "Wir planen jetzt bei künftigen Anträgen eine einjährige Vorlaufzeit ein", sagte Klein.

Professor Dr. Volker Amelung, BMC-Vorstandsvorsitzender, lobte den Innovationsfonds als das "wichtigste neue Instrument" der vergangenen Gesundheitsreform. "Damit wurden die Impulse gesetzt, die uns in den letzten Jahren gefehlt haben", sagte er. Dass demnächst Projekte an der Schnittstelle zwischen Gesundheit und Sozialwesen zum Zuge kommen sollen, sieht er positiv. "Nur mit dem Ansatz ,wir müssen für einander sorgen‘ kommen wir weiter", sagte Amelung. Viele drängende gesellschaftliche Probleme würden sich nur lösen lassen, wenn systemübergreifend zusammengearbeitet werde. Es sei sicher ein "dickes Brett", für entsprechende Vorhaben auch die Akteure anderer Sozialversicherungen ins Boot zu holen, ohne dass sie von den Fördermitteln profitierten. Eine Finanzierung allein über Kassengelder sei aber keine Lösung. "Das Gesundheitswesen ist nicht der Reparaturbetrieb für die anderen Bereiche."

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