Berufspolitik

Notdienst-Reformen aus purer Not

Beim Notdienst klemmt es: Weil die Bezirke immer größer werden, flüchten Versicherten offenbar zunehmend gleich zum Rettungsdienst. Die Kassen beklagen Pseudolösung - nur keiner fragt, was das eigentliche Problem ist.

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© theissen / imago

MAINZ (fst). Der AOK-Landeschef von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, Walter Bockemühl, hat scharfe Kritik an Strukturreformen des ärztlichen Bereitschaftsdienstes geübt.

Es handele sich um "Pseudolösungen", da der ärztliche Notdienst damit "aus der Fläche heraus gehe", sagte Bockemühl dem ARD-Magazin "Report Mainz".

Er verlangt, der ärztliche Bereitschaftsdienst müsse "nah bei den Menschen sein".

In dem Beitrag, der am Dienstagabend gesendet wurde, wird namentlich der Neuzuschnitt der Notdienstbezirke in Hessen kritisch kommentiert.

KV versus Rettungsdienst

Zitiert wird der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Wetteraukreis, Dr. Reinhold Merbs, wonach die Zahl der Einsätze nach den KV-Strukturreformen um "mehr als zehn Prozent" zugenommen habe.

Die KV Hessen entgegnet in dem Beitrag, der Bereitschaftsdienst funktioniere gut, da sich "die Zeiten zwischen Anruf und Besuch gegenüber der Situation vor 2012 vielfach sogar verkürzt" haben.

Dass die Strukturreformen der KVen aus der Not entstanden sind, dass immer weniger Ärzte gerade auf dem Land die Bereitschaftsdienste leisten müssen, erläutert der Beitrag nicht.

Stattdessen beklagen die Magazin-Autoren, dass gesetzlich Versicherten immer häufiger finanziell belastet werden, das sie auf private Bereitschaftsärzte zurückgreifen.

Kommentar: Warum es beim Notdienst klemmt

Von Florian Staeck

Ja, es ist ein Dilemma: Soll gerade für junge Ärzte die Arbeit als Vertragsarzt attraktiver werden, dann zählt die kalkulierbare Belastung im Bereitschaftsdienst zu den harten Entscheidungsfaktoren - das haben Umfragen gezeigt.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben landauf landab reagiert. Sie dampfen die Zahl der Notdienstbezirke ein und wollen damit gerade Ärzte auf dem Land entlasten, die unter ständigen Bereitschaftsdiensten ächzen.

Wahr ist aber auch: Die Anfahrtswege für Patienten werden damit länger, mitunter auch die Wartezeiten. Das ARD-Magazin "Report Mainz" mutmaßt, mit den Strukturreformen der KVen werde der Sicherstellungsauftrag still und heimlich auf Rettungsdienste verlagert.

Denn die verzeichnen steigende Einsatzzahlen. AOK-Landeschef Walter Bockemühl fordert, Vertragsärzte sollten auch im Bereitschaftsdienst "nahe bei den Menschen sein". Doch dies beißt sich mit dem oft von Krankenkassen zu hörenden Mantra der ärztlichen Überversorgung.

Der wachsende Mangel von Ärzten in der Fläche lässt sich nicht vollständig wegorganisieren. Es fehlen Stimmen in Politik und Selbstverwaltung, die den Bürgern in dieser Frage reinen Wein einschenken.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Torsten Lange

Billig-Journalismus

Und ich dachte, seriöser Journalismus hätte mit Recherche zu tun.
Ein unglaublich billig gemachtes Anklagefilmchen gegen "faule Ärzte".
Wie kann man sich das als mündiger Fernsehgebührenzahler gefallen lassen?
Die Ursachen sind dabei so simpel wie deren Nennung peinlichst vermieden wird.Kein Doc, kein Bereitschaftsdienst. Wenig Docs,lange Wartezeit--- und nicht weil der Dienst DOC in der Hängematte liegt, sondern im Auto sitzt.Stundenlang!Verschwendung von Ressourcen ist geschmeichelt,Arzt als Pizzafahrer passt besser.
Wenn sich das unsere Bürger,Politiker und Kassen leisten können, bitte sehr.
Dann muss halt auch mal der Notarzt ran.


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