DGHO-Kongress

Onkologen fordern zur Vernetzung auf

Netzwerke von niedergelassenen Ärzten, Internisten und hochspezialisierten onkologischen Zentren sollen die Herausforderungen der onkologischen Versorgung bewältigen helfen.

Von Anno Fricke Veröffentlicht:

Berlin. Die Zunahme der Krebsneuerkrankungen und die immer längere Lebensdauer der Menschen mit Tumoren stellen das Fach vor Herausforderungen. Der Aufbau von flächendeckenden Netzwerkstrukturen gewinne immer mehr an Bedeutung, sagte Professor Carsten Bokemeyer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) am Samstag in Berlin.

Nicht alle Menschen lebten in Großstädten, in denen hochspezialisierte Zentren für die Versorgung bereitständen, sagte Bokemeyer. Die Kopplung von Praxen niedergelassener Ärzte an ein Netzwerk könne sicherstellen, dass auch Patienten in strukturschwachen Regionen Zugang zu innovativen Therapieverfahren erhielten.

Dem interprofessionellen und interdisziplinären Dialog und der Delegation von Aufgaben an die Pflege werde hohe Bedeutung zukommen, hieß es bei der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizer Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie am Wochenende in Berlin.

Aufgrund der Alterung der Gesellschaft geraten Komorbiditäten wie Diabetes, COPD, koronare Herzerkrankungen und Demenzen stärker in den Blick der Onkologen. Die Wechselwirkungen der verschiedenen medikamentösen Therapien erforderten hohes Spezialistentum, sagte Bokemeyer.

„In kaum einer anderen Disziplin ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung so wichtig wie in Hämatologie und Onkologie“, sagte Professor Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO. Die hohe Innovationsgeschwindigkeit bei Onkologika führe zu einer rasanten Entwicklung auch der Behandlungsleitlinien. Big Data sei aber kein Ersatz für hochwertige klinische Studien, sagte Hallek.

„KI macht Menschen nicht überflüssig“

In diese Kerbe hieb auch Kongresspräsident Professor Lorenz Trümper. „Maschinen und künstliche Intelligenz werden Menschen nicht überflüssig machen“, sagte Trümper. Auf die Hämatologen und Onkologen komme die Aufgabe zu, aus der Vielzahl zur Verfügung stehender Daten die für die jeweilige Behandlungssituation richtigen Schlüsse zu ziehen.

Das Wissen, das sowohl mit Blick auf die Tiefe als auch auf die Breite dramatisch zunehme, müsse in Form „gezielter“, personalisierter Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen im Rahmen von klinischen Studienkonzepten eingebracht und evaluiert werden, so Trümper. Der Kongresspräsident kündigte an, dass es in den nächsten Jahren „mit großer Sicherheit“ zu einer Ausweitung des Einsatzes der CAR-T-Zell-Therapien kommen werde.

Die hochpreisigen Therapien fordern die Kostenträger heraus. Nach Zahlen des GKV-Spitzenverbandes gab es in den vergangenen Jahren einen Anstieg der Kosten für Krebstherapien um rund 50 Prozent auf mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr 2018. 2014 lagen die Ausgaben noch bei knapp fünf Milliarden Euro.

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