Transplantationsmediziner beklagen

Organspende – „Situation ist beschämend“

Transplantationsgesellschaft wirbt massiv für Widerspruchsregelung.

Von Chritian Beneker Veröffentlicht: 17.10.2019, 15:23 Uhr

Hannover. Vertreter der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) haben sich auf ihrer 28. Jahrestagung in Hannover erneut für die Widerspruchsregelung bei der Organspende ausgesprochen.

„22 der 28 Länder der EU haben die Widerspruchslösung und dadurch höhere Transplantationszahlen als in Deutschland,“ sagte Professor Bernhard Banas, Präsident der DTG am Donnerstag in Hannover. Die Organtransplantation in Deutschland dagegen stecke in einer „humanitären Krise.“

Die DTG zählt die meisten Organtransplantationen in Spanien – mit 48 pro einer Million Einwohner. In Deutschland sind es dagegen nur 11,3 Organspender pro einer Million Einwohner.

Tausende von Menschen warten hierzulande auf ein Spenderorgan, zum Jahresende 2018 warteten 852 Patienten auf eine Leber, 719 auf ein Herz und 314 auf eine Lunge, so die DTG.

Täglich sterben drei Menschen auf der Warteliste

Derzeit würden in Deutschland rund 93 000 Dialysepatienten versorgt, 7500 von ihnen stehen auf der Warteliste für ein neues Organ und nur 3200 Nieren würden jährlich transplantiert, erläuterte Banas. Insgesamt stehen nach Angaben der DTG 9407 Menschen auf einer Warteliste.

Dass in Deutschland täglich drei Menschen sterben, die auf der Warteliste für ein Organ stehen, sei zudem nur die Spitze des Eisbergs, hieß es. Die DTG geht davon aus, dass eigentlich bis zu 30 000 Patienten in Deutschland eine Organtransplantation benötigen. Der Mangel an Spenderorganen sei deshalb viel dramatischer als angenommen.

Die DTG verwies auf die Patienten, die gestorben sind, während sie auf der Warteliste standen und auf die Patienten, die sich wegen der schlechten Aussichten gar nicht erst listen lassen sowie Patienten, die zwischenzeitlich zu krank für eine Transplantation geworden sind. „Die Situation ist beschämend“, resümierte Banas.

Unterstützung für doppelte Widerspruchslösung

Professor Christian Strassburg, President-Elect der DTG, betonte deshalb, wie wichtig es sei, die Widerspruchsregelung einzuführen, und unterstützte den Vorstoß unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Professor Karl Lauterbach (SPD) zur Regelung der doppelten Widerspruchslösung im Transplantationsgesetz. Danach wäre jeder Bundesbürger ein Organspender, es sei denn er widerspricht zu Lebzeiten.

In einem offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten unterstützt die DTG die Gesetzesinitiative. „Länder, die die Widerspruchslösung eingeführt haben, registrieren 25 bis 30 Prozent mehr Organspenden“, argumentierte Strassburg.

Über die Widerspruchsregelung hinaus sprach sich Strassburg für die Ausweitung der Lebendspende aus. „In Spanien ist zum Beispiel die anonyme Überkreuz-Lebendspende möglich – warum nicht bei uns?“, so Strassburg. Auch müsse man über die Möglichkeit altruistischer Spenden sprechen.

Weil sie den medizinischen Eingriff in einen gesunden Körper bedeuten, sind altruistische Spenden in Deutschland derzeit verboten, so Strassburg. Über die Gesetzesinitiative von Spahn und Lauterbach will der Bundestag im Dezember beraten. (cben)

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