Debeka-Vorstand

PKV-Reformen angemahnt

Debeka-Vorstand Weber sieht keinen Grund, das duale Kassensystem zu ändern. Was die PKV aber benötigt, sind Reformen.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
"Es ist ein Unding, dass wir keine vernünftigen Daten zur Beitragsentwicklung zur Verfügung stellen können": Roland Weber, Vorstand bei der Debeka.

"Es ist ein Unding, dass wir keine vernünftigen Daten zur Beitragsentwicklung zur Verfügung stellen können": Roland Weber, Vorstand bei der Debeka.

© Debeka

DÜSSELDORF. Ein führender Manager aus der privaten Krankenversicherung (PKV) hat Änderungsbereitschaft seiner Branche angemahnt und Ansatzpunkte für notwendige Reformen skizziert.

Dazu zählen bessere Wechselmöglichkeiten für die Versicherten, eine allgemeine Öffnungsaktion für Angestellte und ein offensiverer Umgang mit Branchendaten.

Die Dualität von gesetzlicher und privater Krankenversicherung habe sich bewährt, sagte Roland Weber, Vorstand beim PKV-Marktführer Debeka, auf einer Veranstaltung der "AG Zukunft des Gesundheitswesens" in Düsseldorf vor der Bundestagswahl.

Die PKV leiste mit ihrem Prinzip der Kapitaldeckung einen stabilisierenden Beitrag für das Gesundheitswesen. "Aus meiner Sicht gibt es keinen triftigen Grund, dieses System grundlegend zu verändern."

Offenheit würde mehr nützen als schaden

Das ändere aber nichts daran, dass es innerhalb der PKV Reformbedarf gebe, betonte Weber. "Die PKV muss für mehr Öffentlichkeit und Transparenz sorgen." Das gelte zum Beispiel für die Prämien.

Die Versicherer sollten seiner Einschätzung nach exakte Angaben über Beitragssteigerungen an die Finanzaufsicht BaFin und den PKV-Verband liefern. "Es ist ein Unding, wenn Parlamentarier fragen, wie die Beitragsentwicklung in der PKV ist, und wir keine vernünftigen Daten zur Verfügung stellen können."

Mit einer größeren Offenheit könnte der Branche seiner Einschätzung nach der Nachweis gelingen, dass das Thema Prämiensteigerungen im Alter nicht mehr so virulent ist, wie es oft dargestellt wird.

Bei der Debeka seien die Beiträge von 1998 bis 2013 im Schnitt um 3,1 Prozent jährlich gestiegen. Bei den über 60-Jährigen habe der Anstieg 2,2 Prozent betragen, bei den über 80-Jährigen nur 1,2 Prozent.

"Die Probleme mit dem Beitragsanstieg im Alter sind auf Einzelfälle zu reduzieren, die gelöst werden müssen", sagte Weber.

Wechselmöglichkeiten verbessern

Die Debeka bietet seit Anfang des Jahres allen Angestellten an, in den ersten sechs Monaten nach erstmaligem Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze mit ihren Familienangehörigen in die PKV zu wechseln.

Unabhängig vom Gesundheitszustand nimmt der Versicherer jeden auf, Risikozuschläge sind auf 30 Prozent begrenzt. Damit will das Unternehmen dem Vorwurf begegnen, die PKV betreibe Rosinenpickerei.

Fünf weitere Versicherer sind dem Beispiel bereits gefolgt, berichtete Weber. Er fände es sinnvoll, wenn die gesamte Branche gesetzlich zu einer solchen Öffnungsaktion gezwungen würde. "Dann wären wir dieses Problem los."

In der Pflicht sieht der Versicherungsmathematiker die PKV bei einem weiteren zentralen Thema. "Wir müssen die Wechselmöglichkeiten verbessern."

In diesem Bereich sei zwar schon einiges passiert, es reiche aber nicht. "Es muss auch Lösungen für diejenigen geben, die vor 2009 in die PKV gekommen sind", forderte Weber.

Mit vernünftigen Konzepten können die Unternehmen, die den Handlungsbedarf erkennen, die Politik überzeugen, hofft er. "Die Sturköpfe, die es in der PKV gibt, haben dann halt das Nachsehen."

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