Bundesweite Erprobung startet

Personalbemessung: Hoffnung auf ein Ende des Hamsterrads in Kliniken

Die Bundesärztekammer begrüßt den Start der bundesweiten Erprobung des Personalbemessungssystems ÄPS-BÄK. Ausgewählte Kliniken müssen daran teilnehmen. Ärzte hoffen, fremdbestimmte Personalvorgaben so abwehren zu können.

Veröffentlicht:
Beim Deutschen Ärztetag in Bremen 2022 wurden wichtige Weichen für das ÄPS-BÄK gestellt: Hier Professor Henrik Hermann, der zusammen mit Dr. Susanne Johna Vorsitzender der BÄK-Arbeitsgruppe „Ärztliche Personalbemessung“ ist.

Beim Deutschen Ärztetag in Bremen 2022 wurden wichtige Weichen für das ÄPS-BÄK gestellt: Hier Professor Henrik Hermann, der zusammen mit Dr. Susanne Johna Vorsitzender der BÄK-Arbeitsgruppe „Ärztliche Personalbemessung“ ist.

© Rolf Schulten

Berlin. Die Bundesärztekammer hat den Startschuss für die bundesweite Erprobung des ärztlichen Personalbemessungssystems (ÄPS-BÄK) gegeben. Mit diesem Instrument sollen alle Tätigkeiten in Krankenhäusern, an denen Ärztinnen und Ärzte beteiligt sind, systematisch erfasst werden. Ziel ist es, auf dieser Basis dann die nötige ärztliche Personalausstattung berechnen zu können.

Im Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) ist ein Konzept zur ärztlichen Personalbemessung ausdrücklich erwähnt. Das Bundesgesundheitsministerium hat entschieden, ÄPS-BÄK auf seine Praxistauglichkeit zu prüfen und dafür die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Erprobung beauftragt. Diese Testphase in zehn Krankenhäusern sei nun abgeschlossen, teilte die BÄK am Dienstag mit.

Lesen sie auch

Sie begrüßte, dass nun die bundesweite Erprobung in ausgewählten Kliniken beginnt – diese sind gesetzlich zur Teilnahme verpflichtet. ÄPS-BÄK sei „von Ärztinnen und Ärzten für Ärztinnen und Ärzte entwickelt“ worden, betonten Dr. Susanne Johna und Professor Henrik Hermann, die Vorsitzenden der Arbeitsgruppe „Ärztliche Personalbemessung“. Nun sei es Sache der Kolleginnen und Kollegen, die „Erprobung mit ihrer fachlichen Kompetenz zu prägen“.

Personaluntergrenzen in der Pflege waren ein Anstoß

Das Personalbemessungssystem ist laut einem Beschluss des Deutschen Ärztetags 2022 für den stationären Sektor weiterentwickelt worden. Vorarbeiten für eine Kalkulation des Personalbedarfs gehen bis auf das Jahr 2006 zurück. Vor vier Jahren nahm der Ärztetag von der Idee Abstand, ÄPS-BÄK könnte für eine Verwendung auch in der ambulanten Versorgung geprüft werden.

Bisher gibt es in der Ärzteschaft kein abgestimmtes Konzept für Personalvorgaben. Als ein Anstoß für dieses Instrument gelten die Personaluntergrenzen in der Pflege. Allerdings sollten mit ÄPS-BÄK keine Untergrenzen für die ärztliche Besetzung entwickelt werden – denn aus Untergrenzen werde schnell eine Regelbesetzung, heißt es. Insoweit verbindet sich mit dem Projekt auch die Hoffnung, auf diesem Wege fremdbestimmte Personalvorgaben abwehren zu können.

Der diesjährige Deutsche Ärztetag in Leipzig hat sich für eine flächendeckende, dauerhafte und verbindliche Einführung dieses Instruments ausgesprochen. Die so ermittelten Personalaufwände müssten auch in der Vorhaltevergütung in Krankenhäusern berücksichtigt werden. Schließlich forderten die Delegierten, die Erprobung solle von Ärztinnen und Ärzten und von den Krankenhausträgern aktiv unterstützt werden. (fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Dr. med. Gerhard M. Sontheimer (ANregiomed, Region Ansbach) und Holger Baumann (Kliniken der Stadt Köln, v.l.) haben in der Praxis gute Erfahrungen mit Systempartnerschaften gemacht.

© Philips

Mehr Spielraum für moderne Prozesse in der Klinik

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Philips GmbH Market DACH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

Lesetipps
Digitale Integration: In der elektronischen Patientenakte sollen sämtliche Befunde, Verordnungen und Behandlungsstationen eines Patienten gespeichert werden. Den mündigen Umgang damit, müssen viele erst noch lernen.

© Andrea Gaitanides / stock.adobe.com

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Ein Arzt tröstet eine Patientin.

© Anastasiya / stock.adobe.com

Kollegialer Rat

Empfehlungen für das Überbringen schlechter Nachrichten