Deutschland

Pflegeausbildung bleibt Frauen-Domäne

Trotz der Coronavirus-Pandemie legen die Ausbildungszahlen in der Pflege zu. Kein Grund, sich gelassen zurückzulehnen, mahnt der Deutsche Pflegerat. Er weist auf die hohe Abbrecher-Quote hin.

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Pflege ist weiblich: In die Ausbildung gehen nach wie vor viel mehr Frauen als Männer. (Symbolfoto)

Pflege ist weiblich: In die Ausbildung gehen nach wie vor viel mehr Frauen als Männer. (Symbolfoto)

© stokkete / stock.adobe.com

Berlin. Trotz Coronavirus-Pandemie ist die Zahl der Pflegeauszubildenden in Deutschland leicht gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts absolvierten Ende 2021 insgesamt etwas mehr als 105.000 Frauen und Männer die Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann – das seien sieben Prozent mehr als 2020, teilte das Amt am Dienstag mit.

Die generalistische Pflegeausbildung ist seit zwei Jahren möglich. Grundlage bildet das Pflegeberufereformgesetz aus dem Jahr 2017.Pflegeschüler erhalten demnach zunächst eine gemeinsame Ausbildung, in der sie einen „Vertiefungsbereich“ in der praktischen Lehre wählen. Auszubildende, die im dritten Jahr die Ausbildung fortsetzen, erwerben den Berufsabschluss Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.

Drei Viertel der Azubis sind weiblich

Wie aus den Zahlen der Statistiker ferner hervorgeht, ist die neue Pflegeausbildung – wie die Vorläuferausbildungen auch – vor allem für Frauen interessant: Knapp drei Viertel der Auszubildenden, die im Jahr 2021 eine Ausbildung antraten, waren demnach weiblich.

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, sagte der Ärzte Zeitung am Dienstag, Care-Berufe wie die Pflege seien grundsätzlich mit einem hohen Anteil an Frauen verbunden. „Dafür ist aber nicht die Ausbildung verantwortlich.“ Um mehr Männer in den Beruf zu ziehen und Frauen dort langfristig zu halten, brauche es bessere Rahmenbedingungen. „Das ist der entscheidende Punkt.“

Im Übrigen müsse man sich bei den Zahlen „ehrlich und wahrhaft“ machen, sagte Vogler. „In die Statistik gehen auch die jungen Absolventen einer Pflegeausbildung ein, die in der sechsmonatigen Probezeit verloren gehen, weil sie es sich doch anders überlegen.“ Die Zahl der Neustarter in der Pflege könne also deutlich geringer liegen als statistisch erfasst.

Linksfraktion: Mahnung an die politisch Verantwortlichen

Auch der Sprecher für Pflege- und Krankenhauspolitik der Linksfraktion im Bundestag, Ates Gürpinar, nannte die steigenden Ausbildungszahlen in der Pflege eine „Mahnung an die politisch Verantwortlichen“. Diese müssten Strukturen schaffen, in denen der Pflegeberuf auch gut ausgeübt werden könne.

Das steigende Interesse an der Ausbildung bei einer anhaltenden Abbrecherquote von knapp einem Drittel zeige, „dass die Bedingungen in der Pflege sofort verbessert werden müssen, um langfristig Fachkräfte zu halten“, so Gürpinar. (hom)

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