Pflege

"Pflegeheim Plus" soll Behandlung besser koordinieren

FRANKFURT/MAIN (ine). "Pflegeheim Plus" heißt ein neues Konzept, dass pflegerische und medizinische Betreuung von Heimbewohnern verbessern soll. Das integrierte Versorgungskonzept soll mit Pflegeheimpatienten in Frankfurt/Main und Offenbach geprobt werden.

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Die Arzt-Patienten-Bindung soll bei Behandlungen in Heimen erhalten bleiben.

Die Arzt-Patienten-Bindung soll bei Behandlungen in Heimen erhalten bleiben.

© Foto: imago

Seit mehr als zwei Jahren hat die Gesundes Kinzigtal GmbH die komplette Versorgung von etwa 32 000 Versicherten der AOK und der Landwirtschaftlichen Krankenkasse übernommen (wir berichteten). Eine wichtige Aufgabe haben dabei die Ärztenetze. "Die Kollegen haben meist eine starke Arzt-Patienten-Bindung, sie sind sich der Schwächen der heutigen Versorgung bewusst und haben oft schon selbst eigene Lösungsmodelle entwickelt", heißt es bei der Optimedis AG in Hamburg.

Die Managementgesellschaft koordiniert auch das Frankfurter Projekt "Pflegeheim Plus" und setzt dabei auf Vernetzung, Prävention und erfolgsabhängige Vergütung. Um herauszufinden, welche Herausforderungen dabei auf Niedergelassene und Pflegende zukommen, hatte das Unternehmen zu einer Fachtagung in Frankfurt eingeladen.

Über die Defizite in der Versorgung waren sich Ärzte und Pflegevertreter schnell einig: Die Absprachen zwischen Ärzten, Pflegekräften, Bewohnern und Angehörigen sind oft unzureichend, die Einbindung von Fachärzten ist mangelhaft, die Gabe und Dosierung der Arzneimittel ist nicht immer optimal abgestimmt. Aus Sicht von Ärzten gibt es zudem einen erheblichen Weiterbildungsbedarf beim Pflegepersonal und eine mangelnde Koordinierung der Arztbesuche. In den meisten Heimen fehlt ein kompetenter Ansprechpartner, der auch für die Terminkoordinierung zuständig ist. Zudem ist die Vergütung der Hausbesuche durch die Krankenkasse unzureichend. Kurz: Es hapert in vielen Bereichen der Zusammenarbeit.

Um diese Defizite zu verbessern, brauche es "Geduld, ein klares Konzept, entsprechende Strukturen und eine Finanzierung", so Professor Werner Vogel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie. Bei vielen Ärzten und Pflegevertretern sei die Bereitschaft vorhanden, eine bessere Versorgung auf die Beine zu stellen. Vogel: "Es müssen klare Zuständigkeiten definiert werden".

AOK ist bis jetzt die einzige Kasse, die sich am Projekt beteiligt.

In Frankfurt und Offenbach ist die AOK Hessen derzeit die einzige Krankenkasse, die sich an dem Projekt "Pflegeheim Plus" beteiligt. "Wir verhandeln auch mit dem BKK Landesverband und der Techniker", sagt Helmut Hildebrandt, Vorstand der Optimedis AG, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Zudem seien viele Haus- und Fachärzte an einer Mitarbeit interessiert. Gespräche liefen noch. Hildebrandt: "Viele Ärzte sind bereit, die Versorgung zu verbessern und Kooperationen zu suchen - aber eben nicht zum Nulltarif."

Der Optimedis-Chef ist überzeugt, dass sich das Projekt auf Dauer auszahlen wird. "Durch die Vernetzung der medizinischen Versorgung vermeiden wir unnötige Klinikaufenthalte." Die AG übernimmt das Kostenrisiko und finanziert das Frankfurter Projekt vor. "Das ist eine Herausforderung für uns", sagt Hildebrandt. Niedergelassene Ärzte können davon profitieren: Die Vergütung sieht eine extrabudgetäre Honorierung von 40 Euro pro Quartal und AOK-Versichertem vor. Zudem bekommen die Ärzte einen erfolgsabhängigen Bonus und 75 Euro, wenn sie an entsprechenden Qualitätszirkeln teilnehmen.

Weitere Informationen zum Projekt "Pflegeheim Plus" gibt es im Internet unter www.optimedis.de und www.pflegeheimplus.de.

Projekt Pflegeheim Plus

Ziel des Konzeptes ist es, die pflegerische und medizinische Betreuung der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu verbessern. Koordinator ist die Optimedis AG in Hamburg. "Wir sorgen dafür, dass sich Pflegekräfte, Haus- und Fachärzte sowie Kliniken intensiver abstimmen", heißt es in der Projektbeschreibung. Die Behandlung jedes Patienten soll auf diese Weise individuell gestaltet und Doppeluntersuchungen sowie Klinikaufenthalte vermieden werden. Unter den teilnehmenden Ärzten gibt es eine Rufbereitschaft, so dass auch in sprechstundenfreien Zeiten ein Arzt erreichbar ist. (ine)

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