Fehlendes Lehrpersonal

Pflegeverbände warnen vor Personalnotstand

Fachverbände schlagen Alarm: Weil es in den Pflegeschulen zunehmend an Lehrkräften fehle, komme die Ausbildung zu kurz. Dabei wird Nachwuchs mehr denn je gebraucht.

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Ausbildung von Pflegekräften. Den Pflegeschulen gehen die Lehrkräfte aus, warnen Fachverbände.

Ausbildung von Pflegekräften. Den Pflegeschulen gehen die Lehrkräfte aus, warnen Fachverbände.

© auremar / stock.adobe.com

Berlin. Fachverbände haben vor einem Personalnotstand in Einrichtungen der Altenpflege gewarnt.

Eine Ursache sei der eklatante Mangel an Lehrkräften an Pflegeschulen, sagte die Vorsitzende des Verbands katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD), Eva-Maria Güthoff, am Mittwoch. „Aus einigen Pflegeschulen unserer Mitgliedschaft wissen wir, dass bereits ganze Kurse abgesagt werden mussten, weil es keine Lehrerinnen und Lehrer gab.“

Damit die schulische Pflegeausbildung weiter auf „hohem Niveau“ angeboten werde könne, „brauchen wir dringend die Unterstützung von Bund und Ländern“, schlug auch der Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege (DEVAP), Wilfried Wesemann, Alarm.

Halte der Mangel an Lehrkräften an, lasse sich die im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege geplante Erhöhung der Ausbildungszahlen um zehn Prozent bis zum Jahr 2023 nicht einlösen. Der Arbeitsmarkt an Lehrpersonal sei schlicht leer gefegt.

Bund und Länder in der Pflicht

Eine neue Bundesregierung müsse hier dringend gegensteuern. Auch die Länder stünden in der Pflicht, erklärten die beiden Verbände. Nötig seien deutlich mehr Studienplätze für angehende Pflegelehrkräfte in allen Bundesländern. Derzeit hielten nur acht Länder gebührenfreie Pflegestudiengänge vor, „die man als qualitativ angemessen bezeichnen kann“, sagte VKAD-Chefin Güthoff.

DEVAP-Vorsitzender Wesemann rief dazu auf, das Studium der Pflegepädagogik für Seiteneinsteiger attraktiver zu machen. Ein berufsbegleitendes Studium der Pflegepädagogik gehe meist mit verkürzter Arbeitszeit und geringerem Einkommen einher. Zusätzliche Unterstützungsangebote würden die Attraktivität eines Studiums erhöhen, so Wesemann.

Die beiden kirchlichen Fachverbände vertreten eigenen Angaben zufolge mehr als 3700 stationäre und ambulante Einrichtungen der Altenhilfe sowie rund 200 Pflegeschulen.

Erste Sitzung der AG Gesundheit und Pflege

An diesem Mittwoch kommen in Berlin erstmals die 22 Arbeitsgruppen der Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und FDP zusammen – darunter auch die für Gesundheit und Pflege. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) kündigte dazu eine Kundgebung vor der SPD-Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus in Berlin-Kreuzberg, an.

Die rund 1,7 Millionen beruflich Pflegenden in Deutschland bauten auf den Mut der „Ampel“-Verhandler, „die Pflegekrise endlich wirksam anzugehen“, sagte DBfK-Präsidentin Professor Christel Bienstein. In knapp zehn Jahren könnten 500.000 Pflegefachkräfte fehlen, werde nicht umgehend etwas getan. (hom)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Gunthram Heidbreder

Bei aller Bedrängnis durch den Fachkräftemangel im Pflegebereich darf die Qualifikation nicht nach unten nivelliert werden. Dazu ist es unabdingbar, Dozent(inn)en für Pflegeschulen heranzubilden. Ein bundesweit kostenloses, möglichst berufsbegleitendes Studium sollte selbstverständlich sein. Wo gibt es das aktuell?


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