Falk-KVen über Klinikreform

Pläne gehen am Bedarf vorbei

Vertragsärzte wollen nicht an allen Krankenhäusern Portalpraxen einrichten. Der Plan aus der Klinikreform geht am Bedarf vorbei, sagen sie.

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BERLIN. Vertreter der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK-KVen) werfen der Bundesregierung vor, in der Klinikreform am Bedarf vorbei zu planen. Auslöser sind die Pläne des Gesundheitsministeriums, im Zuge der Klinikreform an allen Krankenhäusern Notfallpraxen einzurichten.

Dr. Norbert Metke, KV-Chef in Baden-Württemberg, verwies darauf, dass es im Südwesten bereits 120 Notfallpraxen gebe, von denen 106 an Kliniken angesiedelt seien. Sollten in der Tat alle 240 Kliniken in Baden-Württemberg eine Notfallpraxis einrichten, würde dies am Bedarf vorbei gehen.

Ballungszentren künftig überversorgt?

Vor allem Ballungszentren wären dann überversorgt. "Wir haben dazu weder die Mittel noch die Ärzte", sagte Metke am Donnerstag in Berlin. Bei einer Ausweitung der ambulanten Klinikbehandlung seien entsprechende Mittel zur Verfügung zu stellen.

"Die Ärzte bezahlen den Notfalldienst aus ihrem Budget. Auch eine KV kann einen Euro nur einmal ausgeben", betonte Metke. Zu FALK gehören die KVen aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Westfalen-Lippe und des Saarlandes.

Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KV Bayerns, warf der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vor, "falsche Zahlen" zu verbreiten.

Bereitschaftsdienst ausgeblendet

Die DKG hatte im Frühjahr beklagt, die stationären Notaufnahmen würden zunehmend zu "Lückenbüßern" für die Bereitschaftsdienste der KVen. In einem Gutachten war die Zahl der Patienten in den Notaufnahmen der Kliniken auf 20 Millionen beziffert worden, die Zahl der in den Praxen versorgten Notfälle lag demnach bei 3,9 bis 8,3 Millionen.

Krombholz verwies auf eine Statistik aus Bayern. Demnach versorgten die KV-Bereitschaftsdienste 2014 bayernweit etwa 1,5 Millionen Patienten, die Notfallpraxen der Kliniken etwa 1,3 Millionen.

"Das Gutachten der DKG hat den ärztlichen Bereitschaftsdienst ausgeblendet. Notarzteinsätze sowie schwierige Akutfälle, die zu einer stationären Aufnahme führten, wurden jedoch einbezogen", ärgert er sich.

Typische Beschwerden der Notfall-Patienten seien zudem meist ohne aufwendige Klinik-Diagnostik zu klären. "Ärzte im Bereitschaftsdienst sind sehr erfahren, in den Klinik-Notaufnahmen arbeiten häufig junge Assistenzärzte", sagte Krombholz. (wer)

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