Berufspolitik

Prävention als gesellschaftliche Aufgabe? Das sieht nicht jeder so

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BONN (frk). Trotz Uneinigkeit in der großen Koalition hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt gestern den Entwurf für ein Präventionsgesetz vorgelegt. Aber wer ist für die Gesundheitsvorsorge zuständig, die Gesellschaft oder jeder Einzelne? Das war auf dem ersten europäischen Präventionstag in Bonn ein großes Streitthema.

Senioren beim Sport. Ein Präventionsgesetz soll dazu beitragen, dass sich mehr Menschen gesundheitsbewusst verhalten.

Senioren beim Sport. Ein Präventionsgesetz soll dazu beitragen, dass sich mehr Menschen gesundheitsbewusst verhalten.

© Foto: imago

Als wichtigste Zielgruppen bei der Prävention nannte sie Menschen mit Migrationshintergrund, Kinder und ältere Menschen. "Das Gesetz soll vor allem Aktivitäten in den Lebenswelten stärken", erklärte Schmidt. So sollen zum Beispiel Sportverbände dabei unterstützt werden, sich an Schulen zu engagieren.

Für sie ist Prävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der sich alle Sozialversicherungspartner zusammenschließen müssten. "Jeder soll einen Beitrag pro Versicherten leisten", sagte sie. Den privaten Krankenkassen gefällt dieser Plan überhaupt nicht. "Prävention ist in erster Linie Aufgabe des Einzelnen", sagte Dr. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen.

Barmer-Chef Vöcking sieht Eigeninteresse der Krankenkassen

Wenn die individuellen Bemühungen nicht ausreichen, müsste die Gesellschaft einspringen, nicht aber die Versicherungen. "Prävention ist eine klassische versicherungsfremde Leistung", erklärte er. Dr. Johannes Vöcking, Vorstandsvorsitzender der Barmer Ersatzkasse sieht das anders. "Wir haben unseren Anteil zu leisten", sagte er. Es liege im Eigeninteresse der Krankenkassen, die Prävention zu fördern. So könnten sie verhindern, später die hohen Kosten des ungesunden Lebenswandels ihrer Versicherten tragen zu müssen.

Zu den Streitigkeiten um die Verwaltung der Gelder äußerte sich Ulla Schmidt nicht. Sie möchte gerne eine Stiftung einrichten, die sich um die Verteilung der Mittel kümmert. Dies lehnt die Union ab. "Das wird ein bürokratisches Monster", sagte Hermann-Josef Scharf, Berichterstatter "gesundheitliche Prävention" der CDU/CSU. Er geht allerdings davon aus, dass in den nächsten Wochen eine Einigung zwischen den beiden Parteien erzielt werden könne.

Ulrich Weigeldt, Chef des Hausärzteverbands, betrachtet das Gesetzesvorhaben mit Skepsis. "Ich sehe die Gefahr, dass dort ein neuer, abgeschotteter Sektor geschaffen wird", sagte er. Weigeldt befürchtet, dass die vorhandenen Strukturen zur Prävention nicht genutzt, sondern stattdessen neue geschaffen werden. "Die Leistungen, die niedergelassene Ärzte bei der Prävention erbringen, werden im Gesetz nicht berücksichtigt", kritisierte er. Dabei seien sie oft erster Ansprechpartner für Patienten, die etwas für ihre Gesundheit tun wollen. Das sieht auch Dr. Claudia Hennig so. Die Ärztin mit Schwerpunkt präventive Medizin ist Herausgeberin des "Journal of Preventive Medicine".

Lebensverhältnisse sind zu berücksichtigen

"Immer mehr Menschen ohne konkrete Beschwerden kommen in meine Praxis und bitten um einen Health-Checkup", erklärte sie. In die Präventionsberatung müssten Ärzte viel Zeit investieren. Mit einer reinen Untersuchung sei es nicht getan, die Ärzte müssten auch nach Erkrankungen in der Familie fragen und sich mit den Patienten über ihren Lebensstil unterhalten. Bei der Empfehlung geeigneter Präventionsmaßnahmen sei Fingerspitzengefühl gefragt.

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