Altenpflege

Private Anbieter sehen keinen Erfolg bei generalistischer Pflegeausbildung

Die vor vier Jahren eingeführte generalistische Pflegeausbildung sei „kein Erfolgsmodell“ – sie verstärke vielmehr den Personalmangel in der Langzeitpflege, kritisiert bpa-Chef Meurer. Der Pflegerat sieht das anders.

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Berlin. Das Zusammenlegen der drei Ausbildungen in der Pflege hat nach Ansicht privater Pflegeanbieter den Personalmangel in Altenheimen und bei Sozialdiensten verschärft. „Die generalistische Pflegeausbildung ist kein Erfolgsmodell“, schreibt der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, in einem Gastbeitrag in der aktuellen Ausgabe der Ärzte Zeitung.

„Hohe Abbrecherquoten“ bei Menschen, die beruflich in die Altenpflege einsteigen wollten, resultierten auch aus der „fachlichen Überfrachtung der kombinierten Ausbildung“, so Meurer. „Viele von denen, die sich in der Vergangenheit sehr bewusst für die Altenpflege und gerade nicht für die Krankenpflege entschieden haben, finden sich in der generalistischen Ausbildung nicht wieder.“

„Fachliche Überfrachtung“ durch kombinierte Ausbildung

Die Krankenhäuser befänden sich bei der Ausbildung junger Pflegekräfte zudem in einer „klar besseren Position“ als etwa Pflegeheime, so Meurer. So gebe es dort ein besseres Lehrer-Schüler-Verhältnis, da die „gute und abgesicherte Finanzierung durch die Krankenkassen schlicht eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte“ ermögliche.

Auch die Bezahlung von Miet- und Investitionskosten sei für die an die Kliniken angebundenen Schulen „leistungsfähiger und umfangreicher“ ausgestaltet.

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Vorsichtig geschätzt, sei von einem Rückgang der Ausbildungszahlen in der Langzeitpflege von im Schnitt zehn Prozent auszugehen, so Meurer. Die generalistische Ausbildung gehöre daher „ehrlich“ auf den Prüfstand gestellt. Der bpa vertritt eigenen Angaben zufolge mehr als 13.000 Mitgliedseinrichtungen.

Die Generalistik wurde zum 1. Januar 2020 mit dem Pflegeberufegesetz eingeführt. Die bis dahin getrennten Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege wurden damals zusammengeführt. Auszubildende durchlaufen dabei zwei Jahre lang eine gemeinsame Ausbildung.

Vogler: Generalistik sorgt für viele Optionen

Absolventen, die im dritten Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen, erwerben den Abschluss „Pflegefachfrau“ beziehungsweise „Pflegefachmann“. Auszubildende, die sich der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen widmen möchten, können einen gesonderten Abschluss machen.

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, verteidigte die Zusammenlegung der Ausbildungen. „Wir gucken mittlerweile auf eine Pflegeausbildung, die international anschlussfähig ist und die Menschen, die sich beruflich für Pflege entscheiden, alle Optionen zur Entwicklung lässt“, sagte Vogler der Ärzte Zeitung am Donnerstag.

Der Fachkräftemangel in der Pflege habe nichts mit der neuen Ausbildung zu tun. „Wir hätten genau dieselbe Situation auch ohne die Generalistik.“ (hom)

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